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Brechmittel Kupfersulfat: Die richtige Dosis

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:34
Kupfersulfat wird schon seit vielen Jahrhunderten als Brechmittel eingesetzt.
Auch in der ayurvedischen Medizin findet dieses Mittel Verwendung. Bei akutem Verschlucken von Giften, gewerbegängigen und ätzenden Flüssigkeiten (Lösemittel, Laugen, Säuren, Waschmittel) darf niemals ein Erbrechen induziert werden, das kann den Zustand verschlimmern. In solchen Fällen ist es ratsam, den Notruf zu wählen und eventuell noch vorhandene Reste der giftigen Substanz sicher zu stellen.

Antiperistaltikum

Bereits in der mittelalterlichen Medizin erfreuten sich Brechmittel wie die Wurzel der Keremsbeere, Mitragynin-Alkaloide oder die Brechwurzel großer Beliebtheit. In der heutigen Medizin wird vor allem Kupfersulfat als Brechmittel eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein die Magenschleimhaut reizendes Salz, das innerhalb einer kurzen Zeitspanne den Brechreiz herbeiführt. Diese in der Medizin eingesetzten Mittel werden als Emetikum bezeichnet. Der Name kommt aus der griechischen Sprache. In diesem Zusammenhang wird das Brechmittel auch als Antiperistaltikum bezeichnet, weil es bei Einnahme und anschließendem Erbrechen den Mageninhalt entgegen der normalen Perestaltik nach oben transportiert. Nach Austerhoff, Lehrbuch der Chemie, beträgt die Dosis, die eingenommen werden darf 0,25 bis 0,5 Gramm. Man geht heutzutage davon aus, dass Kupfersulfat ab einer bestimmten Dosis gesundheitsschädlich, vielleicht auch letal, wirken kann. Die Anwendung eines Emetikums ist nur durch medizinische Indikation begründet und erfolgt unter Aufsicht.

Es handelt sich um einen bläulichen Feststoff, der zu einem geringen Anteil auch Nickel, Kobalt, Eisen, Zink, Chlorid und Arsen enthält. Er weist eine weiße Farbe auf und nimmt erst mit Zugabe von Wasser seine typische blaue Farbe an. Während dieses Vorgangs erhitzt es sich auf ca. 70 °C. Man kann diesen Vorgang wieder umkehren, indem man das nun blaue kristallisierte Salz auf mindestens 88 °C erhitzt, dabei gibt das Kupfersulfat das zuvor zugegebene Wasser wieder ab und nimmt wieder seine ursprüngliche weiße Farbe an. Es ist interessant zu wissen, dass man heutzutage Kupfersulfat zwar nicht einfach überall kaufen kann, dieser Stoff jedoch in fast jedem Chemiebaukasten für Kinder enthalten ist.

Kurioser Einsatz bei der Strafverfolgung

Der Stoff hat eine zusammenziehende und ausleitende Wirkung. Bei Vorerkrankungen, zum Beispiel im Fall von Karzinomen und anderen Schädigungen im Speisetrakt, sollte auf Kupfersulfat verzichtet werden. Besonders kurios ist der Einsatz von Brechmitteln als Maßnahme während eines Ermittlungsverfahrens im Zuge der Beweismittelsicherung. Diese Maßnahme hat es durchaus schon gegeben, etwa im Fall von Personen, die verdächtigt wurden, Drogen oder andere verbotene Substanzen verschluckt zu haben, um der Beweismittelsicherstellung zu entgehen. Hier müssen sich die Ermittler bewusst sein, dass sie den Verdächtigen mit Einnahme eines Brechmittels dazu bringen, sich selbst zu belasten. Der Einsatz von Beweissicherungsmitteln muss angemessen sein. So kann der Einsatz von Emetika in unserer Rechtssprechung als medizinischer Eingriff gelten, dem ein im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte befindliche Patient jedoch zustimmen muss. Anderenfalls wertet unsere Rechtssprechung einen derartigen Eingriff als Körperverletzung. Durch den Einsatz von Emetika wollen die ermittelnden Beamten die Sicherstellung von Drogenpaketen aus dem Magen-Trakt der verdächtigen Person bewirken. Diese Drogen werden in kleine Plastikpakete verschweißt und anschließend verschluckt. Dabei ist dieser Aufwand relativ nutzlos, denn in den meisten Fällen reicht die Menge des auf diese Weise sichergestellten Materials nicht aus, um die verdächtige Person für mehrere Jahre ins Gefängnis zu bringen.

Emetika sind in der Regel verschreibungspflichtig, man kann sie nicht in der nächsten Drogerie wie Nahrungsergänzungsmittel kaufen, da das Missbrauchspotential sehr hoch ist. Insbesondere in schweren Fällen von Essstörungen setzen an Bulimie erkrankte Menschen Emetika gerne ein, um sich nach einem Essanfall anschließend wieder von der zugeführten Nahrung zu befreien. Man kann eine Kupfersulfatlösung auch selbst herstellen.

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