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Erste Hilfe bei Unterkühlung?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:48
Bei einer Unterkühlung befindet sich der menschliche Körper in abgesenkter Temperatur.

Vorbei sind die Zeiten in denen tapsige Bernhardiner mit Rumfässchen um den Hals halb erfrorenen Bergsteigern das Leben retteten. Es darf in Frage gestellt werden, ob das Fässchen um den Hals jemals dazu beigetragen hat, da Alkohol die Blutgefäße weitet, somit die Unterkühlung noch unterstützt und lediglich die Illusion von Wärme im Körper auslöst. Unterkühlung bedarf besonderer, umsichtiger erster Hilfe, da es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen und zum Tod kommen kann.

Bei Unterkühlung, der sogenannten Hypothermie, befindet sich der menschliche Körper in abgesenkter Temperatur. Leichte Temperaturunterschiede versucht der Körper durch Muskelzittern, Schüttelfrost und der Abkopplung der Extremitäten vom Wärmekreislauf auszugleichen.

Schwere Hypothermie äußert sich durch Bewusstlosigkeit, Herzrhythmusstörungen und Atemstillstand. 
Besonders bei Wassersportlern und Bergsteigern ist im Notfall von einer Unterkühlung auszugehen, aber auch während des Sommers sind Kinder, die zu lange im Badesee waren anfällig für Unterkühlung.

  • Unterkühlung ist ernst zu nehmen und erfordert besondere Erste-Hilfe-Maßnahmen!
  • NIE mit alkoholischen oder koffeinhaltigen Getränken den Wärmeverlust versuchen auszugleichen! Nie bei bewusstlosen Personen Getränke einflößen, Gefahr der Erstickung.
  • Bei mittelgradiger und schwerer Hypothermie Notruf absetzen und die Rettungskräfte in Kenntnis setzen!
  • Langsames(!) Erwärmen ist wichtig, das vom Rumpf ausgeht. 
  • Gefahr des Bergetods! Die unterkühlte Person möglichst wenig bewegen, in der Waagerechten behalten, nie die Extremitäten in die Höhe heben, dies könnte einen reflektorischen Herzstillstand auslösen!

Was ist zu tun bei Unterkühlung? Man unterscheidet verschiedene Stadien der Unterkühlung, die unterschiedliche Behandlungen erfordern:

 

  1. Handelt es sich um eine leichte Hypothermie, erkennbar an blauen Lippen, Zittern am ganzen Körper und ausgekühlten Extremitäten, dann sollte der Ersthelfer dafür sorgen, dass die Person in einen warmen Raum kommt, eventuelle nasse Sachen ablegt und für gemäßigte Wärmezufuhr von außen (Wärmflasche) sowie für heiße Getränke (aber kein Alkohol, Kaffee oder Schwarztee!) sorgen. 

 

  1. Bei einer mittelgradigen Unterkühlung ist die Körpertemperatur bereits auf 32-28°C abgesunken, es kann zu Bewusstseinsstörungen kommen, das heißt, der Unterkühlte ist eventuell nicht mehr voll ansprechbar, das Muskelzittern hat aufgehört. 
  2. Hier gilt es für eine langsame Erwärmung des Rumpfes zu sorgen und den Bergetod zu verhindern, der durch schnellen Rückfluß von kaltem Blut zum Herzen verursacht wird. 
  3. Werden die Extremitäten des Unterkühlten über das Niveau des Rumpfes bewegt, kann es zu einem reflektorischen Herzstillstand kommen. 

 

  1. Unter 28°C Körpertemperatur spricht man von schwerer Hypothermie, der Unterkühlte verliert das Bewusstsein, kennzeichnend sind ein niedriger Puls und Herzrhythmusstörungen, die zu Atemstillstand führen können.
  2. In diesem schwer bedrohlichen Zustand ist wiederum die Gefahr des Bergetods durch vorsichtiges, besser noch durch die Vermeidung von Bewegung zu minimieren. 
  3. In diesem Zustand werden keine Aufwärmversuche mehr unternommen, sondern die ständige Überprüfung der Vitalfunktionen steht im Vordergrund. 
  4. Sollte keine Atmung mehr spürbar sein, ist unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen und diese ist bis zum Eintreffen des Rettungsarztes fortzuführen. 

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