Foto: Shutterstock.com

Grippevirus A oder B: Was ist der Unterschied?

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:29
Es gibt verschiedene Grippevirus-Typen, die eine Grippe – auch Influenza genannt – auslösen können.

Es gibt verschiedene Grippevirus-Typen, die eine Grippe – auch Influenza genannt – auslösen können. Man unterteilt sie in Typ A, B und C, wobei nur die beiden ersteren für den Menschen als Krankheitserreger eine signifikante Rolle spielen. Der Unterschied zwischen Grippevirus A und Grippevirus B zeigt sich vor allem in Ausbreitung und Schweregrad der Erkrankung. 

Wichtige Facts zum Thema Grippeviren

  • In Deutschland ist die Grippe die Infektionskrankheit, an deren Folgen die meisten Menschen sterben.
  • Jährlich erkranken rund 100 Millionen Menschen an Influenza; 100.000 von ihnen sterben an den Folgen.
  • In 80 –100 Prozent der Todesfälle durch die Grippe gilt die Lungenentzündung als Todesursache.
  • Influenza-Pandemien gab es in den Jahren 1918, 1957, 1968 und zuletzt 2009 durch den Virus A(H1N1).
  • Beim Grippevirus A kann es etwa alle 10 bis 20 Jahre zur Ausbildung neuer Subtypen kommen.
  • Grippeviren können im Wasser bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt über mehrere Wochen infektiös bleiben.

Grippevirus A und B

Grippeviren sind weltweit verbreitet. Sie können in einem bestimmten Gebiet ständig vorkommen (endemisch), an einem Ort über eine bestimmte Zeit gehäuft auftreten (epidemisch) oder sich über mehrere Länder und Kontinente ausbreiten (pandemisch). Dabei sind alle Influenza-Viren ähnlich aufgebaut: Als sogenannte "Orthomyxoviren" verfügen sie über eine Virushülle und einen einzelnen RNA-Strang als Erbinformation. 

Die Hülle der Grippeviren hat durch die beiden "Antigene" genannten Proteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) eine stachelartige Struktur. Diese Oberflächenproteine spielen eine wichtige Rolle bei der Vermehrung und Ausbreitung der Viren. Zurzeit sind 16 HA-Typen und 9 NA-Typen bekannt. Je nach Zusammensetzung der Antigene ergeben sich die verschiedenen Virus-Typen A und B. 

Grippevirus A gefährlicher als Grippevirus B

 

Da die HA- und NA-Typen des Grippevirus A unabhängig voneinander variieren (Antigenshift), gibt es von diesem mehrere Subtypen. Diese Wandelbarkeit des Erregers führt zu einer häufig epidemischen, manchmal sogar pandemischen Ausbreitung. Demgegenüber kommt Grippevirus B überwiegend endemisch vor, kann jedoch zuweilen ebenfalls durch kontinuierliche, kleine Veränderungen der Oberflächenstruktur (Antigendrift) Epidemien auslösen. Typ B hat keine Subtypen, sondern im Hinblick auf die Oberflächenproteine nur zwei unterschiedliche Linien, die nach den Orten ihres ersten Vorkommens benannt wurden – die Yamagata- und die Victoria-Linie.

Ein weiterer Unterschied zwischen Grippevirus A und Grippevirus B besteht im Schweregrad der Erkrankung. Während Typ B eher leichte bis mittelschwere Verläufe verursacht, kann Typ A auch schwere oder sogar lebensbedrohliche Formen annehmen. Influenza-B-Viren kommen nur beim Menschen vor. A-Viren infizieren ebenso Säugetiere, wie Schweine oder Pferde, und vor allem Vogelarten (aviäre Influenza). Menschen können sich mit Grippeviren, die normalerweise in Tieren zu finden sind, anstecken, und auch andersherum ist eine Infektion von Mensch zu Tier möglich. 

Infizierung von Menschen durch tierische Grippeviren


Grippeviren aus Tieren können beim Menschen Krankheitssymptome hervorrufen, in der Regel jedoch nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Kommt es jedoch zwischen einem tierischen und einem humanpathologischen Virus zu einem Austausch an Geninformationen (Reassortment) – beispielsweise wenn eine tierische Zelle von beiden Virusarten befallen ist – so können sich neue Subtypen ausbilden, die auch von Mensch zu Mensch übertragbar sind. 

Das Influenzavirus A(H1N1), das im Jahr 2009 die Pandemie mit der sogenannten "Schweinegrippe" auslöste, ist wohl über viele Jahre hinweg durch mehrere dieser Reassortments entstanden. Man fand Gensegmente aus aviären Viren, aus Erregern eurasischer und nordamerikanischer Schweine sowie aus menschlichen Grippeviren.

Bekämpfung der Grippeviren A und B


Durch die großen Veränderungen im Virus-Typ A und den kleinen Änderungen in Typ B müssen jährlich neue Impfstoffzusammensetzungen gefunden werden. Dazu gibt die Weltgesundheitsorganisation ihre Empfehlungen ab, die von nationalen Behörden vor der Freigabe überprüft werden. So kommen zwei aktuelle Influenza-A-Stämme sowie ein aktueller Influenza-B-Stamm in die Impfstoffe hinein. Stimmen diese mit den umlaufenden Stämmen gut überein, ist ein Impfschutz bis zu 90 Prozent möglich.


Kommt es zu einer Erkrankung, werden meist die Symptome behandelt, die durch Bakterieninfektionen während der Grippe verursacht werden. Es gibt jedoch auch antivirale Mittel, sogenannte Virustatika, die eingesetzt werden können. Sie hemmen Stoffwechsel und Verbreitung der Viren. Wirkte das früher gebräuchliche Mittel Amantadin nur bei Grippevirus-A, ist heute mit Zanamivir ein Mittel verfügbar, das gegen beide Grippeviren-Typen hilft. Auch der Neuraminidasehemmer Oseltamivir hilft gegen beide Virus-Typen.

 

Weiterführende Informationen zu Prävention, Bekämpfung und aktuelle Verbreitung findet man auf folgenden Websites:

Kommentare