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Letztes Update am 11.03.2015, 16:20
Kinder aktiv in die Krankheitsbehandlung einzubeziehen ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll.

Eines von zehn Kindern ist hierzulande von der juckenden Hautkrankheit betroffen. Heilung gibt es nicht, bei 60 Prozent der Erkrankten klingen die Symptome von Neurodermitis aber nach der Pubertät von selbst ab.

 

Es juckt, man kratzt, es juckt, man kratzt – diesen ständigen und nur schwer zu ertragenden Kreislauf kennen viele Neurodermitiker schon seit ihrer frühesten Kindheit. Meist dauert die chronische Hautkrankheit bis in die Pubertät an, danach tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein. Angesichts dieses langen Krankheitsverlaufes und weil die Erkrankung häufiges Eincremen bedarf, macht es Sinn, dass Kinder schon früh lernen, wie sie mit Neurodermitis umgehen müssen.

Rituale lustig gestalten

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung und diese sollte daher auch vom Hautarzt oder der Hautärztin behandelt werden. Die Krankheit verlangt nach einer individuellen, phasengerechten Therapie, die in die Hände von Spezialisten gehört“, unterstreicht Beatrix Volc-Platzer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie. Leidet ein Kind an Neurodermitis, so stellt das oftmals den Alltag der gesamten Familie auf den Kopf. Mindestens zweimal pro Tag müssen die betroffenen Hautpartien eingecremt werden, sind diese Abläufe dem kleinen Patienten unangenehm, wird die Ausschlagbehandlung bald zur nervlichen Zerreißprobe. Deshalb ist es sinnvoll, Kinder aktiv in den Behandlungsprozess einzubeziehen und zwar am besten spielerisch. Hier können beispielsweise kleine Figuren, Zeichen oder Ähnliches mit Creme auf die Haut des Kindes gemalt werden, er oder sie muss diese dann erraten. Kinder können auch selbst aktiv werden und dabei helfen, die betroffenen Stellen einzucremen. Auch kleine Rollenspiele können Kindern die Angst vor der Therapie nehmen, beispielsweise indem auch die Puppe einen kleinen Salbenklecks auf ihre Hand bekommt.

Geteilte Verantwortung

Sind die kleinen Patienten schon etwas älter, lohnt es sich außerdem, gemeinsam an speziellen Neurodermitis-Schulungen, die häufig von Arztpraxen oder Krankenhäusern angeboten werden, teilzunehmen. „Eltern können die Rolle eines Co-Therapeuten bei der Behandlung übernehmen und damit die Lebensqualität ihres Kindes deutlich verbessern“, betont Isidor Huttegger von der Uni-Klinik Salzburg. Aber auch dem Kind kommt damit mehr Eigenverantwortung in der Therapie zu. Unter der Leitung von Pädagogen und Kinderkrankenschwestern lernen sie etwa von einem Maskottchen Alternativen zum Kratzen, erfahren, wie sie mit nächtlichem Juckreiz umgehen oder anderen ihre Krankheit erklären können.

 

Dass der spielerische Umgang mit der Krankheit und spezielle Schulungen, die auch Kinder mit einbeziehen, den Gesundheitszustand der Neurodermitis-Patienten verbessern, wurde bereits durch verschiedene Studien bewiesen. Betroffene wie auch Angehörige können so besser mit der Erkrankung umgehen und fühlen sich nicht länger hilflos und ausgeliefert.

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