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Streitfrage: Wunden offen oder geschlossen halten?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:36
Trocken oder feucht, offen oder geschlossen - wie heilen Wunden am besten?

Eine kleine Wunde ist meist infolge einer Abschürfung, einer Verbrennung oder eines Schnittes entstanden. Die perfekte Wundversorgung hängt hauptsächlich von der Art der Wunde ab. Es gibt unendlich viel Literatur zur Behandlung chronischer Wunden.

 

Akute Wunden hingegen wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht so intensiv untersucht. Die meisten Hausmittel empfehlen, eine kleine Wunde offen und an der Luft trocknen zu lassen, sie würde dann von selbst heilen. Das geschieht zwar, doch der Heilungsprozess dauert länger als bei einer mit Pflaster oder Verband versorgten Wunde. Denn es ist gerade das Wundsekret, das den Heilungsprozess vorantreibt.

Kleine Alltagswunden richtig versorgen

Eine falsche Wundversorgung führt zu mehr Narben. Daher hier die richtige Versorgungsart unterschiedlicher Wunden in Kurzform:

  • Einfaches Pflaster für kleine Alltagswunden - vorher die Oberfläche reinigen und desinfizieren.
  • Schnellverband mit Pflastern, die nicht verkleben - wie bei größeren Wunden wie Abschürfungen.
  • Feuchte Wundversorgung - Brandwunden, Blasen und schlecht heilende, chronische Wunden.
  • Tetanusimpfung immer aktuell halten - so werden schwere Komplikationen vermieden.

Ein feuchter Wundverband fördert den Heilungsprozess

Nach wie vor hält sich das Gerücht hartnäckig, dass kleine Wunden offen und unverbunden am besten heilen. Tatsächlich wurden aber bereits in den 1960er Jahren mehrfach Untersuchungen veröffentlicht, die belegen, dass die Wundheilung einer feuchten, geschlossenen Wunde schneller voranschreitet als die einer trockenen. Die landläufige Meinung, Schorf sei der ideale Verband, ist seit dieser Zeit nicht mehr haltbar. In einem feuchten Wundmilieu wird außerdem die Zahl später sichtbarer Narben verringert. Ist die Wunde geschlossen, kann der darauf entstehende Schorf den Regenerationsprozess sogar behindern.

 

Georg Winter, Entdecker der Vorteile der feuchten Wundheilung und deren Verfechter, stellte fest, dass zerstörtes Gewebe im feuchten Milieu doppelt so schnell heilt wie unter einer Kruste. Das liegt vor allem am Wundsekret, das Nährstoffe, Botenstoffe und Abwehrzellen transportiert, die zur Wundheilung benötigt werden.

 

Wie versorgt man eine Alltagswunde korrekt?

Bevor ein Pflasterverband aufgelegt wird, sollte man die Wunde säubern. Bei Schürfwunden geraten Fremdkörper besonders schnell in die Blutbahn und können eine Entzündung verursachen. Bakterienherde im Schmutz sollten daher möglichst schnell mit Wasser abgespült werden.

Leitungswasser, von dem viele befürchten, es würde etliche Keime enthalten, ist in Deutschland mehr oder weniger komplett keimfrei. Ist eine Wunde nicht mit Keimen infiziert, kann man sie problemlos mit normalem, lauwarmem Wasser auswaschen. Als Alternative bieten sich Wundspülungen zum Aufsprühen an. Sie müssen allerdings alkoholfrei sein.

 

Versorgung von größeren Wunden

In diesem Fall ist ein feuchter Wundverband angebracht. Normale Pflaster reichen meist nicht aus, denn unter ihnen kann die Wunde immer noch austrocknen. Man verwendet am besten Spezialpflaster oder Wundverbände. Gegen Keime wirken auch antiseptische Salben.

 

Desinfizierende Sprays und Salben mit Antibiotika sollte man nicht benutzen, denn dadurch kann sich eine Resistenz gegen Antibiotika ausbilden. Trotzdem gibt es Fälle, in denen Wunden nicht leicht heilen. Das ist zum Beispiel bei Menschen mit Krampfadern, in der Rekonvaleszenz oder bei Patienten mit Diabetes mellitus der Fall. Vergrößert sich die Wunde oder wird sie sehr heiß, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da diese Anzeichen auf eine Infektion der Wunde hinweisen.

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