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Wie führt man eine Nikotinentwöhnung durch?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:48
Nikotin wirkt schließlich stimulierend auf den Körper aber auch schädigend!

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben schon einmal einen Zug von einer Zigarette inhaliert. Es hat etwas Genüssliches an sich den blauen Dunst einzusaugen, ein Kaffeetratsch und ein Glas Wein oder Bier werden damit – so scheint es zumindest – noch um ein Eck entspannter und angenehmer. Nikotin wirkt schließlich stimulierend auf den Körper und bewirkt die Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Serotonin, was zu einer kurzweiligen Steigerung der psychomotorischen Leistung und einer amphetaminähnlichen psychostimulierenden Wirkung führt.

  • Wenngleich Rauchen auch oft mit einer Art Gemütlichkeit, Lässigkeit und Genuss gleichgesetzt wird, so ist es unumstritten, dass das Rauchen von Tabak schlecht für die Gesundheit ist. 
  • Rauchen führt über Jahre zu Arteriosklerose, einer Verkalkung der Blutgefäße, und sorgt so dafür, dass Organe minderdurchblutet werden oder es zum Verschluss eines Gefäßes kommt (wie z.B. bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall). 
  • Weitere unschöne Nebeneffekte des Rauchens sind eine über Jahre abnehmende Funktion der Lungenvolumina und ein Angriff sämtlicher mit dem Rauch in Berührung kommender Schleimhäute, wie beispielweise der Mundschleimhaut. Das Rauchen steht zudem eng mit dem Risiko an Krebs zu erkranken in Verbindung. 
  • Raucher werden in der Gesellschaft zunehmend diskriminiert, da u.a. durch Nichtraucherschutzgesetze das Rauchen in der Öffentlichkeit zunehmend tabuisiert wird. Nicht zuletzt dadurch, wird der Druck eine Rauchgelegenheit zu finden, für den Raucher mehr zur Belastung.

Argumente um vermeintliche Vorteile des Rauchens darzulegen 

  • Viele Raucher nennen als vermeintlichen Beweis dafür, dass sich Rauchen nicht so schlimm auswirken könne wie man meint, oftmals eine bekannte Person, welche trotz Rauchens „ur alt“ geworden ist. Dem ist entgegenzuhalten: wie alt wäre diese Person ohne Rauch geworden?
  • Viele Raucher rühmen sich mit der Aussage, dass sie ohnedies „ jederzeit aufhören könnten“. Dazu ist zu fragen: Warum dann viele Euro jedes Monat in eine Angewohnheit investieren, die nachweislich schwere Auswirkungen auf den gesunden Körper hat?
  • Oftmals hörte man Raucher auch sagen: „Dann falle ich eben tot um und habe damit wenigstens einen schnellen Tod.“ Auch hier gibt es eine Anmerkung entgegenzusetzen: in den wenigsten Fällen handelt es sich bei Todesfolgen von Nikotin um einen „schnellen Tod“. Durch Nikotinabusus verursachte Erkrankungen sind vielmehr durch einen langen Leidensweg gekennzeichnet. 
  • Es steht somit außer Diskussion: Rauchen hat vorwiegend schlechte Auswirkungen und man ist gut beraten, wenn man es so rasch als möglich aufgibt. 


Vor der Entzugstherapie in das Bewusstsein rücken

  • Die Entwöhnung wird nicht immer ein „Spaziergang“ sein – doch sie ist nicht so schlimm wie Entziehungskuren anderer Drogen. Es kann nichtsdestotrotz zu körperlichen Entzugserscheinungen kommen. 
  • Auch nach Wochen, Monaten und sogar Jahren ist der Ex-Raucher noch rückfallsgefährdet, woher auch der Spruch „Einmal Raucher, immer Raucher“ stammt. 
  • Es kann in der Entwöhnungsphase zu einer durchschnittlichen Gewichtszunahme von 4 kg kommen, welche sich nach Stabilisierung der Entzugssymptomatik zumeist wieder auf das Normalgewicht reduziert. 
  • Es kann trotz des Ablassens von Zigaretten in der Zeit der Entwöhnung zu vermehrtem Husten und Heiserkeit, welche als eine Art „Bereinigung“ zu betrachten sind, kommen – dies klingt jedoch bald danach wieder ab. 


Ein Auszug aus den zahlreichen Vorzügen des Nicht-Rauchens

  • Nachdem das Schlimmste überstanden ist, wird man bald die ersten Vorzüge des Nichtrauchens bemerken.
  • Eine bessere Geschmacks- und Geruchsempfindung stellen sich ein, keine riechende Kleidung/Haare/Finger/Atem, die Geldbörse leert sich nicht so zügig, das ständige Ausschauhalten nach einer Rauchgelegenheit (vor allem im Winter) entfällt und gestaltet das Ausgehen dadurch deutlich entspannter.


Schritt- für Schritt –Anleitung zur Nikotinentwöhnung

  1. Zu allererst ist es wichtig, dass man sich zum Zeitpunkt der Nikotinentwöhnung in einem relativ guten/stabilen Gemütszustand befindet. Hat man gerade eine Trennung oder einen Todesfall zu verdauen oder findet sich in beruflicher sowie Ausbildungs-bezogener Hochkonjunktur wider, ist es zumeist nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Entwöhnung durchzuführen. 
  2. Man sollte sein Entwöhungsvorhaben schon einige Zeit zuvor verinnerlichen: wie z.B. sich bei jedem Zug an der Zigarette bewusst zu werden, dass dem Körper dadurch geschadet wird und dass man sich bald davon „befreien und erlösen“ wird. Diese Verinnerlichung führt dazu, dass der Geist förmlich mit dem Vorsatz „programmiert“ wird.
  3. An dem ersten rauchfreien Tag, wird es unter anderem wegen dem Fehlen von hunderten von Zügen an der Zigarette, zu einem vermehrten Knabber- oder Süßigkeits-Verlangen kommen. Für diesen Fall sollte man sich mit (möglichst kalorienarmem) Knabbergebäck und Süßigkeiten eindecken. In der ersten Zeit ist nahezu jede andere Sünde erlaubt: Nur der Griff zur Zigarette muss rigoros vermieden werden! 
  4. Um die in unterschiedlicher Stärke vorherrschende körperliche Entzugssymptomatik (meist Kopfschmerzen und Unruhezustände) in den Griff zu bekommen, sollte man sich Nikotinentwöhnungspräparate besorgen. Es ist sehr unterschiedlich, was wem gut tut – erhältlich sind Kaugummis, Pflaster und Inhalatoren. Inhalatoren eignen sich vor allem deswegen sehr gut, da man trotz Entzug an etwas inhalieren kann und sie einer Zigarette am nächsten kommen. 
  5. Und nun, bevor es losgeht, ein sehr wichtiger Schritt: 
  6. Für die ersten Wochen nach Entzug muss man unbedingt seine Umgebung rauchfrei halten. In einer rauchenden Atmosphäre den Zigarettenentzug zu überstehen, schaffen die wenigsten Menschen. Das heißt also: ein rauchender Partner sollte sich dem Vorhaben anschließen oder vehement zum Rauchen an die frische Luft geschickt werden, der Arbeitsplatz (wo nach Nichtraucherschutz-Verordnungen ohnedies nicht mehr geraucht werden sollte) muss für rauchfrei erklärt werden und rauchende Freunde, Bekannte, Familienangehörige sowie Raucherlokale sollten für einige Zeit strikt gemieden werden. 
  7. Für wen sich das schlimm anhört, der solle folgendes bedenken: Als frischer Nichtraucher auf Entzug im Rauch zu sitzen und der Runde beim genüsslichen Inhalieren zuzusehen, ist gleichzusetzen mit einem spielsüchtigen Menschen, welcher sich in einem Casino aufhält und vom Glücksspiel loskommen soll, oder einem sammelsüchtigen Menschen, welchen man auf den Flohmarkt schickt, ihm jedoch untersagt, jemals wieder etwas einzukaufen. Deshalb: eine „süchtig-machende Atmosphäre“ ist so lange strikt zu vermeiden, bis man sich sicher ist, nicht rückfällig zu werden! Das kann unter Umständen auch zwei Monate dauern, doch was bedeutet diese kurze Zeit im Vergleich zu einer lebenslangen Rauchfreiheit?
  8. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden, ist es soweit: der letzte Rauch-Tag ist angebrochen, ab dem nächsten Morgen ist es vorbei: es empfiehlt sich das Rauchen an einem frischen Morgen zu beenden. In der Nacht ist somit schon ein kleiner Abschnitt des Entzuges „erledigt“ worden. Zur zusätzlichen Erleichterung sollte als erster rauchfreier Tag, ein freier Tag gewählt werden. 
  9. Am ersten rauchfreien Tag wird man nach einigen Stunden zumeist die ersten Unruhe-Symptome wahrnehmen. In weitere Folge können sich auch Kopfschmerzen und ein Zittern der Hände bemerkbar machen. Hiergegen soll mit der Nikotin-Ersatztherapie vorgegangen werden. Zumeist legen sich die körperlichen Erscheinungen nach wenigen (2-3) Tagen.
  10. Fast schlimmer wahrzunehmen als die körperliche Symptomatik, sind meistens die psychischen Symptome: es entsteht ein Gefühl der Leere. Dies hält unter Umständen etwas länger an, als die körperliche Komponente. Und das heimtückischste daran: es kann wiederkehren. 
  11. Hiergegen sollte wie folgt vorgegangen werden: bisherige Verhaltens-Muster müssen durchbrochen werden. Es ist in dieser Situation beispielweise nicht angeraten, sich wie gewohnt, zum Nachmittagskaffe zu setzen, zu dem bisher immerfort drei Zigaretten geraucht wurden, sondern stattdessen lieber einen grünen Tee zu zubereiten - denn dieser Geschmack wird nicht mit der Zigarette assoziiert – und ihn in anderer Atmosphäre oder Situation zu trinken. Man sollte anfänglich nichts mehr so machen, wie man es zuvor - rauchend - machte, sonst erinnert man sich permanent an die Zigarette zurück und verlängert die Qual. 
  12. Weiters empfiehlt es sich, viel an die frische Luft zu gehen und bewusst tief durchatmen. Das tiefe Atmen ist zu genießen, man soll richtig spüren, wie die Lungen durchflutet werden und der Körper einer gesamten „Sauerstoffdusche“ unterzogen wird. Sauerstoff, der bisher durch den Glimmstängel nur unter großen Einbußen aufgenommen werden konnte. 
  13. Besonders erfolgreich sind Ex-Raucher in ihrem Entzugsvorhaben, wenn sie zeitgleich mit regelmäßigem Sport, wie etwa Jogging oder Radfahren, beginnen. Man wird zum Teil, nach dem Sport, mit Frischluft, Glücksgefühlen und Fitness nahezu überschwemmt, gar nicht mehr auf die Idee kommen, sich eine Zigarette anzuzünden, da dies völlig konträr zur Sportausübung stehen würde. Des Weiteren wird die empfundene Leere gekonnt mit etwas Neuem und Gesundem, dem Sport, gefüllt. 
  14. Alleine um das anfängliche Sportprogramm erfolgreich zu absolvieren, empfiehlt es sich, die Entwöhnung am Beginn des Wochenendes oder Urlaubes zu starten. Man wird spüren, dass nach zwei Tagen bereits ein nicht unerheblicher Teil geschafft ist.
  15. Wenn einige rauchfreie Tage überstanden sind, sollte man sich noch nicht in Sicherheit wiegen und wieder unter Raucher begeben, oder gar eine Zigarette („nur mal so zum Probieren“ – „Ich kann ja ohnedies gleich wieder mit dem Rauchen aufhören“) anstecken. Denn diese Zeit ist noch sehr vulnerabel und absoluter Bestandteil des Entzuges. Es gilt in diesem Entzugsabschnitt den umgestellten Lebens-Rhythmus beständig weiter zu führen. 
  16. „Nette Angebote“ von Rauchern, welche einem, um den Leidensdruck endlich zu nehmen, eine Zigarette anbieten wollen, sind selbstverständlich auszuschlagen. 
  17. Es sollte nie wieder eine Zigarette angegriffen werden, da andernfalls die Sucht, langsam aber sicher, wieder heranwächst. Ähnlich einem trockenen Alkoholiker, welcher keine Cocktails mit der kleinsten Alkohol-Menge darin trinken sollte, ergeht es, wenngleich in abgeschwächter Form, einem Ex-Raucher. 
  18. Nach einiger Zeit des Kampfes wird man merken, wie selbstbewusst und beschwingt man an Rauch-Nebelschwaden vorbeigeht, ohne auf passive Art zu versuchen etwas Rauch zu inhalieren und den neuen (kostengünstigeren und weniger „geißelnden“) Lebensabschnitt zu genießen beginnt. 
  19. Und Gratulation: man hat sich soeben ein längeres und gesünderes Leben beschert!

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