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Wie geht man mit der Diagnose Neurodermitis um?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:49
Neurodermitis wird auch oft als „atopisches Ekzem“ bezeichnet und ist eine atopische Erkrankung.

Neurodermitis wird auch oft als „atopisches Ekzem“ bezeichnet und zählt zu den atopischen Erkrankungen. Wer Neurodermitis hat, bekommt meistens einen geröteten, juckenden, oft geschwollenen und schuppenden oder nässenden Hautausschlag, bevorzugt im Gesicht, am Hals oder auf den Händen. Der Name „Neurodermitis“ stammt von dem früheren Irrglauben, dass dieses Ekzem mit einer „Nerven“-Entzündung einhergehe, was aber – wie man heute weiß – nicht stimmt. 

Als Ursachen werden Allergien und genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse genannt. Die exakte Ursache des Ausbruches kennt man nicht. Auch bereits lange im Vorfeld Erkrankte wissen meist nicht, warum ein Schub auftritt. Als Beginn der Erkrankung merken die meisten Betroffenen eines Tages lediglich, dass sie starken Juckreiz verspüren – ohne zu wissen warum. Oftmals leiden Kinder an dem atopischen Ekzem und es verschwindet im Erwachsenenalter. Seltener tritt die Autoimmunerkrankung erst im Erwachsenenalter auf. 

Abgesehen von den optisch-kosmetischen Problemen der Betroffenen, ist der Juckreiz das größte Problem. Der oftmals starke Juckreiz tritt vermehrt in der Nacht auf und führt meist dazu, dass die Erkrankten zu „Kratzen“ beginnen. Dadurch wird die Haut geschädigt und weiter irritiert, weshalb der Juckreiz und die Schwellung ansteigen. Somit beginnt der Teufelskreislauf.

Mit der richtigen Lebensweise, kann dem Ausbruch der Symptome mehr oder weniger vorab Einhalt geboten werden. Ein gänzliches Vermeiden des Ausbruches ist kaum durchführbar, da Neurodermitis-Symptome auch ganz von alleine – beispielsweise unter Stress und Belastungen - ausbrechen. Auch können Neurodermitits-Schübe durch sogenannte „Aeroallergene“ ausgelöst werden: beispielweise, wenn man unter einer Birkenpollen-Allergie leidet, können Birkenpollen das Auslösen von Symptomen auf der Haut bewirken. Eine gänzliche Abschottung vor den Pollen wird jedoch kaum möglich sein.

  • Neurodermitis ist nicht ansteckend, aber auch nicht heilbar. Wer diese Diagnose erhält, muss sich auf eine lebenslange Einschränkung und Therapie einstellen. 
  • Mit einigen Verhaltensänderungen lässt sich Neurodermitis einigermaßen gut in den Griff bekommen.

  • Parfum- und Konservierungsstofffreie Kosmetikpräparate
  • Die Gelegenheit äußere „Provokationsfaktoren“ für Neurodermitis, wie scharfe Speisen, rasch vom Mund oder von den Händen (z.B. nach dem Kochen) abzuwaschen
  • Austestung auf Allergien 
  • Mildes Waschmittel

  1. Da die Betroffenen von Neurodermitis häufig hochgradige Allergiker sind, ist es sehr hilfreich, zu wissen auf WAS man allergisch ist. Verfügt man beispielsweise über eine Katzenallergie, kann das Schmusen mit der befreundeten Katze, Neurodermitis-Symptome im Gesicht und am Hals auslösen. Die Austestung auf Allergien erleichtert daher den Tag.
  2. Auslöser von Neurodermitis – auch „Provokationsfaktoren“ genannt – können innerer und äußerer Natur sein. Zu den inneren Auslösern zählen: Stress, hormonelle Bedingungen und zugeführte Lebensmittel, die der Körper nicht verträgt. Zu den äußeren Auslösern zählen: Duft- und Parfumstoffe, Schweiß, UV-Bestrahlung (z.B. Sonnenbad oder Solarium), Kontaktallergien auf Stoffe, die man nicht verträgt, uvm. Diese Auslöser gilt es zu vermeiden. 
  3. Weichspüler ist beim Wäschewaschen wegzulassen oder sehr stark zu reduzieren. 
  4. Kosmetikprodukte sind auf parfum- und konservierungsstofffreie Produkte (Cremes, Bodylotion, Reinigungsmilch,...) zu tauschen. Wer hochgradige Allergien dagegen hat, kann sich in jeder Apotheke Zusammensetzungen zwischen Aqua bidest. (steriles, destilliertes Wasser), Ultrasicc und Ultrabas (reine Salben-Grundlagen, ohne irgendwelche Zusätze) mischen lassen. Diese Mischungen kann man sowohl als Reinigungsmilch als auch als Gesichtscreme heranziehen. Sie sind auch meist billiger, als Drogerie-Cremes. 
  5. Die Haut ist möglichst trocken von Schweiß zu halten, da dieser zur Reizung der Haut führt. Die betroffenen Stellen sollten aber mit Creme (z.B. reine Aqua-Ultrasicc-Mischung) möglichst oft „Feuchtigkeits- versorgt“ werden. 
  6. Sehr wichtig ist, dass die verwendete Creme sauber ist. Auch eine Keimbesiedelung kann zum Ausbruch von Neurodermitis-Symptomen führen. 
  7. Solarium- und starke Sonnen-Bestrahlung ist möglichst zu vermeiden, da es infolgedessen durch die Reizung der Haut, zum Ausbruch von Schüben kommt. 
  8. Viele Menschen, die Parfum-Stoffe komplett von der Skala gestrichen haben, vergessen, dass auch in den Haar-Stylingprodukten starke Parfum-Mengen sind. Auch Haargels, Haarschaum und Haarspray sind zu hinterfragen. Diese Produkte können sehr starke Neurodermitits-Schübe auslösen. 
  9. Im sehr starken Neurodermitis-Schub hilft oft nur mehr Cortison lokal, das heißt indem es als Salbe aufgetragen wird. In jedem Fall ist ein Hautarzt zu konsultieren. Routinierte Neurodermitis-Erkrankte können sehr gut mit ihrer Autoimmunerkrankung umgehen und wissen genau, wann sie wie viel Cortison einsetzen müssen. 
  10. Vor dem Einsatz von zu viel Cortison sei gewarnt: es hat starke Nebenwirkungen und die Haut gewöhnt sich mit Vorliebe an dieses Medikament, weshalb sie es schon bald regelrecht "braucht". 
  11. Zu äußeren Auslösern zählt auch die Kälte des Winters. Daher geht es in den kalten Wintermonaten Neurodermitis-Betroffenen oft schlechter. Ein guter Hautschutz und nicht allzu langes Aussetzen der Haut an Minusgraden, kann das Problem verbessern. 
  12. Wer im Rahmen des Kochens oder Essens mit scharfen Gewürzen, Kontaktallergenen (z.B. Kartoffeln) oder sehr salzigen Speisen in Berührung kommt, muss die Haut so rasch als möglich davon befreien, also die äußeren Provokationsfaktoren herunterwaschen. 
  13. Aggressive Seifen sind tabu, es müssen sehr milde Waschlotionen verwendet werden. Im Apothekenhandel gibt es eine Reihe von Anbietern, die sich auf Neurodermitits und atopische Hauterkrankungen spezialisiert haben. 
  14. Falls die Ursache hormonell bedingt ist, muss möglichenfalls „die Pille“ gewechselt werden. Auch im Rahmen einer Schwangerschaft kann sich das Hautbild verändern – in diesem Fall kann lediglich das Ende der Schwangerschaft abgewartet werden. Cortison ist in dieser Zeit nicht empfohlen, da geringe Mengen in den Blutkreislauf gelangen. 
  15. Das Aufsprühen von Parfum sollte nicht im Gesichts- und Halsbereich durchgeführt werden. Besser auf die Kleidung, Handgelenke, Nacken,... auftragen.

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