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Wundheilung: Wie vermeidet man eine Infektion?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:35
Die Wunde muss verbunden werden, um Infektionen zu vermeiden.

Kleinere und größere Wunden, meist Biss-, Schürf-, Schnitt- oder Brandwunden, zählen zu denjenigen Arten von Verletzungen, mit denen jeder Mensch im Verlauf seines Lebens konfrontiert wird. Im Rahmen der primären Wundversorgung ist es deshalb wichtig, die Wunde zu reinigen, um eine Infektion zu vermeiden und schließlich die Wunde zu verbinden, so dass eine Wundheilung möglich wird.

 

Mögliche Komplikationen bei der Wundheilung

  • Obwohl die Wundheilung ein natürlicher und biologischer Prozess und Schutzmechanismus des Körpers ist, der bereits wenige Minuten nach der Verletzung einsetzt, kann es nicht nur zu einer Infektion, sondern zu unterschiedlichen weiteren Störungen des Heilungsprozesses kommen, welche die Wundheilung erschweren und mitunter zu unangenehmen Begleiterscheinungen, beispielsweise zur Narbenbildung, beitragen.
  • Bei den Komplikationen wird zunächst zwischen allgemeinen Störungen der Wundheilung und systemischen Erkrankungen unterschieden, die die Wundheilung erschweren oder sogar unmöglich machen.
  • Zu den störenden Faktoren, die die Wundheilung verzögern oder negativ beeinflussen, zählt zunächst die Bildung von sogenanntem Granulationsgewebe. Auf offenen Wunden bildet sich hierbei ein Gewebe von anfangs körnchenartiger Struktur, welches den entstandenen Weichteildefekt verschließt. Im Prozess der Heilung erfährt dieses Granulationsgewebe normalerweise mehrere Stadien der Umwandlung, ehe es schließlich in normales Narbengewebe übergeht. Besonders bei sehr großen Weichteildefekten, kann es jedoch vorkommen, dass das Granulationsgewebe wild wuchert und sogenanntes wildes Fleisch (Caro luxurians) von entstellender Struktur bildet.
  • Ebenfalls kann durch einseitige Lagerung der betroffenen Areale in der Wundumgebung ein Druckgeschwür, der sogenannte Dekubitus, entstehen. Auch der Ulcus cruris, ein offener Substanzdefekt der Wunde, kann sich bilden und die Heilung erschweren. Wird eine Wunde zu früh belastet, kann die Dehiszenz (das Aufbrechen der verheilten Wundränder) eintreten oder sogar ein Narbenbruch entstehen.
  • Narbenkontrakturen können im Heilungsprozess einer Wunde zur Verkürzung betroffener Sehnen, Muskeln und Bänder mit Bewegungseinschränkungen führen.
  • Infektionen stellen also die gravierendste Beeinträchtigung der Heilung einer Wunde dar. Systemische Erkrankungen, welche die Heilung von Wunden negativ beeinflussen, sind schließlich das Auftreten der arteriellen Verschlusskrankheit (Arteriosklerose), Diabetes mellitus und besonders schwerwiegende Folgeerkrankungen, wie beispielsweise Tollwut, Tetanus oder Gasbrand.

 

 

Infektionsvermeidung

Zu den wichtigsten Aufgaben derjenigen Person, die eine Wundversorgung vornimmt, gehört daher die Desinfektion der Wunde. Eine Infektion würde nicht nur den Wundschmerz des betroffenen Patienten enorm vergrößern, sondern auch die Heilung verhindern und das kosmetische Resultat der Ausheilung verschlechtern.

 

Zur Vermeidung einer Infektionserkrankung und zur vollständigen, sowohl funktionellen, wie auch kosmetischen Wiederherstellung, ist daher eine Säuberung und Desinfektion der Wunde, gegebenenfalls sogar die Ausschneidung der Wundränder, unerlässlich. Als Maßnahme der Vermeidung von Tetanus und Blutvergiftung (Sepsis), empfiehlt sich die Überprüfung und Ergänzung der einschlägigen Vorsorgeimpfungen.

 

Zur Erstversorgung von Wunden gehört ferner die Entfernung von Fremdkörpern, die in die Wunde eingedrungen sind. Während große Wunden durch Nähen oder Klammern geschlossen werden müssen, genügt bei kleineren Weichteildefekten ein einfacher Wundverbrand oder die Verwendung eines entsprechenden Wundpflasters, zur Vermeidung der Infektion.

 

Folgeversorgung zur Infektionsvermeidung

Zur Vermeidung einer Infektion zählen jedoch auch die Maßnahmen der Folgeversorgung einer Wunde. Diese sollen frühestens 8 Stunden nach der Erstversorgung der betreffenden Wunde einsetzen und auch durch einen Arzt oder sogenanntes mittleres medizinisches Personal vorgenommen werden.

 

Die jeweilige Folgeversorgung dient der Einschätzung des eingetretenen Heilungsfortschrittes sowie der nochmaligen Reinigung und Desinfizierung von Wundumgebung und Wunde. Wesentlich ist der Wechsel des Verbandes oder des Wundpflasters. Das Verbands- und Pflastermaterial muss zur Infektionsvermeidung stets durch steriles Neumaterial ersetzt und gegebenenfalls ergänzt werden.

 

Sobald die Wunde sich während einer erneuten Folgeversorgung als reizlos darstellt und die Wundoberfläche physikalisch bereits geschlossen ist, kann sie schließlich offen bleiben. Die latente Sauerstoffzufuhr beschleunigt nun die vollständige und komplikationslose Ausheilung der Wunde. Diese Phase setzt etwa 14 Tage nach der Verletzung ein und kann über einen Zeitraum von bis zu mehreren Wochen andauern. Nun erfolgt noch eine funktionale Anpassung der Narbe.

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