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1.Mai in Deutschland – Historische Hintergründe

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:22
Jedes Jahr am 1.Mai erleben wir in Deutschland ein vertrautes Bild.

Jedes Jahr am 1.Mai erleben wir in Deutschland ein vertrautes Bild. Gewerkschaften und soziale Verbände unterbreiten auf Kundgebungen ihre Forderungen, Familien besuchen die beliebten alternativen Maifeste und linke Autonome und Polizisten liefern sich heftige Straßenschlachten. Sehr leicht wird dabei vergessen welche Idee hinter diesem Feiertag steht. Ein Blick auf die historischen Hintergründe des 1.Mai in Deutschland mag da sehr aufschlussreich sein.

1. Mai - Die Hintergründe

  • Im Jahre 1889 wurde auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale, einer weltweiten Vereinigung aller sozialdemokratischen Parteien, beschlossen den 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ auszurufen.
  • Dies geschah in Gedenken an die blutigen Auseinandersetzungen bei den Massenstreiks 1886 in Chicago (Haymarket Affair). Bedingt durch das „Sozialistengesetz“ gestaltete sich die Umsetzung des Planes in Deutschland schwierig. Nach der Aufhebung des Verbotes der SPD (1890) war einer der ersten Forderungen der Partei, den 1.Mai in Deutschland als Feiertag einzusetzen.
  • Dieses Vorhaben traf auf enormen Widerstand der deutschen Unternehmerverbände. Sie drohten jedem Arbeiter, der am 1.Mai nicht zur Arbeit erschien, mit Aussperrung und Entlassung.
  • Trotz dieser angedrohten Sanktionen demonstrierten bei den sogenannten „Maispaziergängen“ circa 100.000 Arbeiter.
  • Im Jahr 1919 unterbreitete die SPD eine Gesetzesvorlage, die den 1.Mai als Feiertag in Deutschland festlegen sollte. Das Gesetz scheiterte jedoch am Widerstand der bürgerlichen Opposition. Aber auch die linken Parteien USPD und KPD wendeten sich gegen den Entwurf. Ihnen ging das Gesetz nicht weit genug. 
  • Mit der Machtübernahme Hitlers wurde der 1.Mai zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ ernannt. Welche eigentlichen Ziele die Nationalsozialisten verfolgten, zeigte sich daran, dass sie einen Tag nach dem 1.Mai 1933 sämtliche Gewerkschaften in Deutschland verboten.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1.Mai in Deutschland von dem Alliierten Kontrollrat als Feiertag bestätigt. Die Teilung Deutschlands führte zu unterschiedlichen Entwicklungen.
  • In der DDR hatte der Feiertag nur noch propagandistische Zwecke. Für jeden Bürger des Landes war es Pflicht zu den staatlich verordneten Maidemonstrationen zu gehen. In der BRD ist seit 1949 der DGB für die lokalen und zentralen 1. Mai Kundgebungen verantwortlich.
  • Ab Mitte der 70er Jahre gab es Kontroversen um die Vorherrschaft bei den Maidemonstrationen zwischen den Gewerkschaften und den neuen sozialen Bewegungen. Aus diesem Konflikt heraus entstanden die alternativen Maifeste. Am 1.Mai 1987 kam es in Berlin Kreuzberg zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen linksradikalen Gruppen und der Polizei.
  • Diese „Kreuzberger Maikrawalle“ gehören, genau wie die Kundgebungen des DGB und die alternativen Maifeste, inzwischen zum festen Bestandteil des 1.Mai in Deutschland.

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