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Ändert sich das Gewicht der Erde, da wir seit Jahrzehnten Erdöl verbrennen?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:52
Was für dramatische Effekte die Erdölverbrennung auch immer haben mag...

Aus der Perspektive des Weltalls kann man sofort sagen: Das Gewicht der gesamten Erde (Erdkugel plus Erdatmoshäre), das zum Beispiel in der Wechselwirkung mit anderen Himmelskörpern wirksam wird und die Bahn der Erde durch das Weltall bestimmt, ändert sich durch die Verbrennung von Erdöl nicht.

Die dabei entstehenden gasförmigen Verbrennungsprodukte (ganz überwiegend Kohlendioxid und Wasserdampf) haben ebenfalls eine Masse, und sie verpuffen auch nicht einfach ins Weltall und sind dann aus der Massenbilanz verschwunden, sondern sammeln sich in der Erdatmosphäre.

Selbst wenn man annimmt, dass sie von dort nie wieder zur eigentlichen Erdkugel zurückkehren, tragen sie ebenso zur Erdmasse bei wie das in unterirdischen Vorkommen lagernde Erdöl, aus dem sie entstanden sind.

  • Was für dramatische Effekte die Erdölverbrennung auch immer haben mag, ihre Wirkung auf die Massenbilanz der Erde ist zu vernachlässigen. Die Erde wird nicht aus ihrer Bahn taumeln und die Atmosphäre wird uns nicht erdrücken. Das beruhigt doch schon mal sehr!

  1. Man kann natürlich immer noch fragen, ob durch die Verbrennung von Erdöl vielleicht die Erdkugel leichter und die Erdatmosphäre schwerer werden. Im Prinzip müsste das der Fall sein. Ein Guesstimate, eine kleine Abschätzung der Zahlenwerte, hilft hier, das Ausmaß des Effekts zu ermitteln.
  2. Wir nehmen wieder an, die gasförmigen Verbrennungsprodukte blieben für immer in der Atmosphäre (obwohl Wasser ja am Wasserkreislauf teilnimmt und Kohlendioxid von Lebewesen und Meeren absorbiert werden kann).
  3. Das Gewicht der Erde beträgt etwa 6 x 10^21 Tonnen (10^21 ist eine 1 mit 21 Nullen), die Atmosphäre wiegt knapp ein Millionstel davon, etwa 5 x 10^15 Tonnen. Das gesamte zwischen 1861 und 2010 auf der Erde geförderte und zum größten Teil bereits verbrannte Erdöl wiegt nach einer großzügigen Addition ungefähr 2 x 10^11 Tonnen (200 Milliarden Tonnen). 
  4. Entfernen wir 2 x 10^11 Tonnen von 6 x 10^21 Tonnen, ist das so, als ob wir von einer Schokoladentafel von 100 Gramm drei Nanogramm, also drei billionstel Gramm abschaben. Mit anderen Worten, wenn wir unsere Zungenspitze einmal ganz kurz an diese Schokoladentafel halten, ergibt sich für die Tafel ein vergleichbarer relativer Massenverlust wie für die Erdkugel durch 150 Jahre Erdölförderung. 
  5. Der Atmosphäre hätten wir damit immerhin etwa vier Hunderttausendstel ihrer Masse hinzugefuegt. Der mittlere Luftdruck in Meereshöhe (1013,25 Hektopascal) würde durch eine solche Änderung um 0,04 Hektopascal wachsen. Das ist weit weniger als die täglichen und jahreszeitlichen Schwankungen, denen der Luftdruck ohnehin unterliegt.

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