Foto: Shutterstock.com / Das weitverbreitete Symbol der Anarchie

Anarchismus: Leben ohne Herrschaft

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:30
Anarchisten lehnen jedes bürokratische und organisatorische System vollkommen ab.

Die meisten Politikwissenschaftler beschreiben den Anarchismus anhand von vier Merkmalen. Erstens lehnen Anarchisten jedes bürokratische und orgnisatorische System ab. Sie glauben, dass damit gesellschaftlicher, ökonomischer, politischer oder ideologischer Zwang ausgeübt wird. Viel mehr streben sie eine freiwillige Assoziation emanzipierter und mündiger Menschen an. 

Markante Merkmale des Anarchismus

  • Freiwillige Assoziation und Keinerlei Zwang
  • Mündigkeit bzw. Emanzipiertheit
  • Atheismus
  • Theorielosigkeit
  • Herrschaftsfreie Gesellschaft
  • Revolutionsbegriff und Befreiung der Menschen

Der Anarchismus ist also konsequent antiinstitutionell. Institutionen sind in den Augen der Anarchisten reine Instrumente der Machtausübung. Die Vertreter dieser politischen Richtung wenden diese Anschauung auch auf sich selbst an. Das heißt, sie lehnen festgefügte Organisationen ab, weil sie darin die Gefahr der Hierarchisierung wittern. Dieses zwanghafte Misstrauen ist allerdings einer der Gründe gewesen, warum anarchistischen Bewegungen in der Vergangenheit immer wieder gescheitert sind.

Zweitens sind im anarchistischen Verständnis Ideologien eine Form institutionalisierter und fest verankerten Herrschaftsverhältnisse, die dazu dienen, die Macht der Herrschenden zu stabilisieren. Ein weiteres Merkmal des Anarchismus ist sein Atheismus. Zudem lehnen Anarchisten jede Systematisierung ihrer Kritik an den bestehenden Gesellschaftsverhältnisse ab. Die Theorielosigkeit gehört zu ihren wichigsten Grundsätzen. 

Es ist drittens das Ziel des Anarchismus, eine herrschaftsfreie Gesellschaft, eben die Anarchie, zu etablieren, in der statt eines Hierarchiesystems, die Organisation von Waren und Dienstleistungen die dominierende Stellung übernimmt. Diese Zukunftsgesellschaft wird nach dem föderalistischen System aufgebaut. Das gesellschaftliche Leben soll auf freiwilligen Vereinbarungen geregelt werden. 

Viertens zeichnet sich der Anarchismus durch einen Revolutionsbegriff aus, der aus der Epoche des Frühsozialismus stammt und an die Vorgehensweise geheimer Organisationen aus der Zeit des Vormärz anschließt. Der anarchistische Revolutionsbegriff ist auch dadurch charakterisiert, dass er keine Zwischenstufe zwischen der Gegenwart und des Endziels einer anarchistischen Gesellschaft benötigt. Die Bürger müssen nicht erst ökonomisch und politisch voll mitspracheberechtigt sein, ehe das Reich der Freiheit für die Menschen verwirklicht werden kann. 

 

Weitere Beiträge zum Thema:

Kommentare