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Charakteristika einer Briefkastengesellschaft

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der Name "Briefkastengesellschaft" bezieht sich auf das wesentliche Merkmal einer solchen Gesellschaft: das Auseinanderfallen von satzungsmäßigem Sitz und

Der Name "Briefkastengesellschaft" bezieht sich auf das wesentliche Merkmal einer solchen Gesellschaft: das Auseinanderfallen von satzungsmäßigem Sitz und Verwaltungssitz. Meist haben Briefkastengesellschaften ihren satzungsmäßigen Sitz in einem Land, in dem bestimmte rechtliche Hürden oder auch die Steuersätze deutlich niedriger sind als in der Heimat der Inhaber beziehungsweise in dem Land, in dem sich der Verwaltungssitz befindet. Als Verwaltungssitz gilt stets der Ort, an dem die Geschäftsführung tatsächlich erfolgt.

Factbox

Daran erkennst Du eine Briefkastengesellschaft:

  • Der satzungsmäßige Sitz der Gesellschaft befindet sich an einem Ort, an dem keine wirkliche Geschäftstätigkeit stattfindet, sondern nur ein Briefkasten unterhalten wird.
  • Die Gesellschaft ist typischerweise in einem Land mit niedrigen Steuersätzen und/oder geringer Regulierung von Unternehmen angesiedelt.
  • Die Gesellschaft wird zur Steuergestaltung oder zur Anonymisierung von Geldströmen und Eigentümerstrukturen genutzt.

Hintergründe

Nur ein Briefkasten...

Der satzungsmäßige Sitz einer Briefkastenfirma besteht dagegen häufig wirklich nur aus einem Briefkasten und vielleicht noch aus einem E-Mail-Postfach oder einem Telefonanschluss. Dieser "Sitz" dient ausschließlich dazu, die Gesellschaft dem Recht des gewählten Standorts zu unterstellen. Das bringt für das betreffende Unternehmen in der Regel bestimmte Vorteile mit sich. So werden beispielsweise Briefkastengesellschaften aus Bereichen wie Finanzen oder Vermögensverwaltung vorzugsweise dort angesiedelt, wo diese Branche weniger streng als etwa in Deutschland oder in den USA reguliert ist. Auch niedrigere Steuersätze und die dadurch möglichen Steuergestaltungen bei komplexer strukturierten Investments gehören zu den wesentlichen Motiven für die Ansiedlung von Briefkastengesellschaften.

Legal oder illegal?

Grundsätzlich ist es nicht illegal, Briefkastengesellschaften zu gründen und zu unterhalten. Vielmehr hängt die rechtliche Bewertung vom konkreten Einzelfall ab. Solange die Gesellschaft lediglich zur Steuergestaltung oder aus Gründen der Anonymität genutzt wird und dabei nicht gegen das Recht des "Heimatlandes" verstößt, ist sie rechtlich in keiner Weise zu beanstanden. Anders verhält es sich jedoch, wenn sie dazu dient, Steuern zu hinterziehen oder Geldflüsse zu verschleiern. In diesem Fall kann es durchaus strafrechtliche Konsequenzen haben, wenn sich beispielsweise im Zusammenhang mit einer Firma auf den Bahamas, auf den Kanalinseln oder in Liechtenstein nachweisen lässt, dass diese als Instrument zur Steuerhinterziehung oder für andere kriminelle Aktivitäten genutzt wurde.

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