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Das Zölibat - Historische Entwicklung in der Religionsgeschichte

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der Zölibat ist ein wesentlicher Bestandteil der römisch-katholischen Kirche und bedeutet, dass alle Priester ehelos leben müssen.

Factbox

  • Der Zölibat ist eines der drei Ideale, die den Mensch vollkommen machen und ihm dem Himmelreich näher bringen sollen.
  • Eine Form dieses Gelübdes existiert bereits seit der Antike.
  • Einer Studie zufolge sollen seit den 1960er Jahren ca. 69.000 Priester ihr Priesteramt niedergelegt haben, weil sie heiraten wollten.
  • In der Ostkirche sind nur diejenigen Priester der Ehelosigkeit unterworfen, die zum Zeitpunkt der Priesterweihe unverheiratet sind. Priester, die bereits vor der Weihe verheiratet gewesen sind, können problemlos in den Priesterstand gehoben werden uns müssen nicht ehelos und enthaltsam leben.

Begriff und Definition

  • Das Zölibat ist ein wesentlicher Bestandteil der römisch-katholischen Kirche und bedeutet, dass alle Priester ehelos leben müssen. Dementsprechend bedeutet Zölibat wörtlich allein lebend. 

Entstehungsgeschichte des Zölibats 

  • Neueren Forschungen zufolge existiert bereits seit der Antike die Verpflichtung, dass Priester nach ihrer Weihe enthaltsam leben müssen. Sie durften zwar weiter verheiratet bleiben, verpflichteten sich aber zur Enthaltsamkeit. Diese Verpflichtung wurde erstmals im Jahre 306 n. Chr. festgeschrieben. 

Die Entwicklung im Mittelalter

  • Im Mittelalter ging die antike Tradition der Enthaltsamkeit verloren. Zahlreiche, vor allem einfache Priester, waren verheiratet und hatten Kinder. Um diesen Missständen Herr zu werden, wurde es im 11. Jahrhundert Pflicht, dass Geistliche unverheiratet sein mussten. 
  • Wer gegen dieses Diktat verstieß, lief Gefahr, nicht nur sein Amt, sondern auch seinen ganzen Besitz zu verlieren. Kinder von verheirateten Klerikern wurden sogar für unfrei erklärt. Aber nicht nur die Kirche, sondern auch die Bevölkerung verlangte, dass Priester unverheiratet sein sollten. 
  • Dies wurde mit dem Vorbildcharakter begründet, die Priester innerhalb der Gesellschaft einnahmen. Dennoch gab es bis ins 12. Jahrhundert immer noch verheiratete Priester, sodass 1139 verbindlich festgelegt wurde, dass Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit unabänderliche Bedingungen waren für alle, die zum Priester geweiht werden wollten.

Der Zölibat in der Neuzeit

  • Bereits seit dem 15. Jahrhundert gab es immer wieder Bestrebungen, die Sinnhaftigkeit des Gelübdes auf den Prüfstand zu stellen. Gerade in der Renaissance und vor der Reformation hatten zahlreiche Bischöfe und sogar die Päpste selbst viele Frauen. Im Zuge der katholischen Gegenreformation wurden die Zügel wieder fester angezogen und die Missstände beseitigt. Noch 1962 wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil festgehalten, dass die Ehelosigkeit dem Priesteramt angemessen sei. 

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