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Der Begriff Korruption - Bedeutung

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Unter dem Begriff Korruption (lateinisch corruptus d.h. ‚bestochen‘) versteht man im juristischen Sinne den Missbrauch einer Vertrauensstellung...

Unter dem Begriff Korruption (lateinisch corruptus d.h. ‚bestochen‘) versteht man im juristischen Sinne den Missbrauch einer Vertrauensstellung ausgehend von einer ausgeübten Funktion in Verwaltung, Wirtschaft, Justiz und Politik oder auch in nichtwirtschaftlichen Organisationen, um einen nicht berechtigten, immateriellen oder materiellen Vorteil durch Mittel der Bestechlichkeit, Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung zu erzielen. Korruption ist und war in allen Ländern der Erde stets allgegenwärtig – in manchen mehr und in anderen weniger. Fachleute rechnen damit, dass jedes Jahr weltweit mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar an Bestechungsgeldern fließen.

Korruptionsskandale in Europa

  • Die bekanntesten Fälle von Korruption etwa in Italien sind unter dem Begriff „mani pulite“ (saubere Hände) in die Geschichte eingegangen. Mehrere Ermittlungsrichter aus Mailand enthüllten Anfang der Neunzigerjahre die systematische Bestechungspraxis der führenden Parteien: Demnach wurden allein zwischen den Jahren 1981 und 1991 Schmiergelder in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro gezahlt, was zur Folge hatte, dass sich die Justiz für zahlreiche Manager, lokale Verwalter und Politiker interessierte und das damalige politische Parteiensystem zusammenbrach. Von den insgesamt 3.200 Angeklagten der Korruptionsprozesse konnten sich allerdings allein 2.200 durch die Verjährung ihres Deliktes vor der Strafverfolgung retten. Die zwei prominentesten Opfer waren der Sozialistenführer und ehemalige Regierungschef Bettino Craxi sowie der Manager Raul Gardini. 
  • Aber die Korruption ist kein italienisches Phänomen, sondern in vielen anderen Staaten noch weiter verbreitet als in Italien. Bei der Veranstaltung „Fighting Corruption all over the Globe“ in Wien schätzten Fachleute in der vergangenen Woche, dass jährlich weltweit 1.000 Milliarden Dollar (780 Milliarden Euro) an Bestechungsgeldern fließen, davon geschätzte 30 bis 100 Milliarden Euro in der EU. Sogar im kleinen und relativ sauberen Österreich wird mit Bestechungsgeldzahlungen von 0,7 bis 1,5 Milliarden Euro pro Jahr gerechnet. 
  • Untersuchungen haben ergeben, dass Korruption dort besonders verbreitet ist, wo es eine große Kluft zwischen Arm und Reich gibt und wo Beamte häufig Entscheidungen beschleunigen oder verlangsamen bzw. in eine bestimmte Richtung lenken können. Korruption tritt – meinen Experten – vor allem bei Zollverwaltungen, in der Beschaffung im öffentlichen Bereich, bei der Vergabe von Subventionen, der Einstellung von Beamten und in der Privatisierung auf. Am häufigsten betroffen sind Länder in (Bürger-)Kriegszustand, Entwicklungs- und Schwellenländer bzw. Staaten im Umbruch mit einer mangelhaften Rechtstradition und Organisationen mit einer wuchernden Verwaltung sowie vielen undurchsichtigen Normen. „Die Korruption ist die Autobahn neben dem Dienstweg“, hat der Ökonom Helmar Nahr einmal festgestellt. 
  • Bekämpft werden kann Korruption in erster Linie durch transparente Normen, unabhängige Rechnungshöfe und Staatsanwälte sowie kritische, investigative Medien. 
  • Die Frage, die in Sachen Korruption oft gestellt wird, lautet, ob denn zuerst die Henne war oder das Ei, ob Bestechungsgelder angeboten oder gefordert werden. Vermutlich gibt es beide Erscheinungsformen, wobei Unternehmen immer wieder berichten, dass bei Geschäften in bestimmten Ländern – etwa in Russland, früher oft auch in Rumänien, oder in Marokko – nichts weitergeht, wenn nicht an den richtigen Stellen geschmiert wird. Wer da keine schwarzen Kassen hat (wie die, welche unlängst bei Siemens entdeckt worden sind), sei im Kampf um den Markteintritt in manchen Fällen chancenlos. Allerdings versuchen manche Lieferanten wohl auch im Vorhinein, sich den Weg durch Schmieren zu ebnen und damit die Konkurrenz auszustechen.

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