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Der Religionsbegriff: Eine wissenschaftliche Erklärung

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Wie ist eigentlich der Begriff Religion definiert?
Da gibt es unterschiedliche Approaches. Zwischen substantialistischen und funktionalistischen Erklärungsansätzen gibt es Differenzen beim Religionsbegriff. Wodurch unterscheiden sich die unterschiedlichen Erklärungsansätze voneinander?

Der substanzialistische Religionsbegriff

Beim substanzialistischen Religionsbegriff wird die Definition der Religion von den wesentlichen Merkmalenund vom Wesen der Religion hergeleitet. Dabei wird sich auf die inhaltlichen Merkmale der Religion bezogen. Der substanzialistische Religionsbegriff beschreibt Religion, als sich auf das Allumfassende, das Heilige, "Das Absolute", das Transzendente oder auf das Numinose, einer göttlichen, unbegreiflichen Macht, die gleichermaßen Vertrauen und Schauer erwecken kann, beziehend. Substanzialistische Definitionen von Religionen allgemeiner Art, gehen auf die Beziehung und Auseinandersetzung der Menschen mit einer göttlichen unbegreiflichen Macht und dem Glauben an ein oder mehrere übernatürliche Wesen ein.
Gustav Mensching definiert den Begriff so: "Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen". Rudolf Otto bezeichnet das "Heilige" als eine irrationale Dimension. Der Religionswissenschaftler Nathan Söderblom (lutherischer Theologe aus Schweden), der sich unermüdlich für Ökumene und Weltfrieden engagierte und dafür 1930 den Friedensnobelpreis erhielt, sieht im Wesen der Religion die Macht - das Machtvolle an sich, nicht aber die Gottheit.

Der funktionalistische Religionsbegriff

Bei diesem Erklärungsansatz wird Religion über ihre Funktion definiert. Es wird davon ausgegangen, dass die Religion für Gesellschaft und Individuum eine gestaltende, prägende Rolle hat und so ­ihre Gestaltungskraft entfaltet. Émile Durkheim ein Vertreter der funktionalistischen Definition des Religionsbegriffes beschreibt Religion als ein solidarisches System, das Menschen in einer Gemeinschaft eint, auf der Grundlage gemeinsamer heiliger Überzeugungen, Praktiken und moralischen Wertvorstellungen. Als weitere wichtige Vertreter der funktionalistischen Definition von Religion gelten: Thomas Luckmann und der britische Religionshistoriker und Religionswissenschaftler Roderick Ninian Smart.

Thomas Luckmann hat mit der These einer "unsichtbaren Religion" den Prozess der sich vollziehenden Privatisierung von Religion beschrieben. Das führte im Bereich der Religionssoziologie zu einem grundlegend neuen Ansatz der Betrachtungen von Religiosität. Seit dem wird Religiosität beispielsweise nicht nur an der Institution Kirche festgemacht. 

 

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