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Die weltweit größten Religionen im Porträt - Konfuzianismus

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der Konfuzianismus ist eine Weltreligion, die sich von China ausgehend ab etwa 500 vor Christus in Ostasien verbreitete.
Er beruht auf einer Weltanschauung nach den Prinzipien des altchinesischen Philosophen Konfuzius und bildete im alten China über Jahrhunderte die Staatsdoktrin des Kaiserreichs. Die Lehren des Konfuzius wurden erst von seinen Schülern in neun Büchern niedergeschrieben, den „Fünf Klassischen Büchern“, in denen der Gelehrte ältere philosophische Schriften kommentiert, und den „Vier Büchern“, in denen die Säulen des Konfuzianismus dargestellt werden.

Konfuzianismus

  • Die grundlegende Annahme im Konfuzianismus besteht darin, dass das gesamte gesellschaftliche Leben in fünf grundlegende Beziehungen, die jeder Mensch eingeht, aufgeteilt werden kann: Vater – Sohn, Herrscher – Untertan, Ehemann – Ehefrau, Älterer Bruder – Jüngerer Bruder und Freund – Freund. Damit diese Beziehungen funktionieren, werden fünf Tugenden benötigt: Menschlichkeit, Gerechtigkeit, ethisches Verhalten, Weisheit und Güte. 
  • Jeder Mensch hat in der Gemeinschaft drei soziale Pflichten: Untertanentreue, Ahnenverehrung und Einhaltung der rituellen Regeln in allen Lebensbereichen. Die Weltanschauung ist nicht theistisch, sondern humanistisch geprägt. Spirituelle Rituale werden zwar eingehalten, aber der Fokus liegt auf dem Verhalten der Menschen in der Gesellschaft.
  • Dank seiner Betonung der Untertanentreue wurde der Konfuzianismus im chinesischen Kaiserreich zur Staatsdoktrin und wichtige Prüfungen für eine Beamtenlaufbahn bei Hofe wurden in den Tempeln der Religion durchgeführt. Auch am Kaiserhof selbst absolvierte man Rituale, die die neun Bücher vorschrieben.
  • Heute werden die Lehren des Konfuzius oft mehr als moralisches Wertesystem denn als Religion betrachtet, da er kein spezifisches Gottesbild vorschreibt und auch keine transzendentalen Aussagen macht. Elemente des Konfuzianismus finden sich in vielen ostasiatischen Philosophien und besonders die sozialen Pflichten werden zum Teil von autoritären Regimes, wie etwa in Singapur, missbraucht, um ihre Untertanen treu zu halten. Da Konfuzius nach wie vor als weiser Gelehrter und beinahe Heiliger verehrt wird und die von ihm propagierten Pflichten seit Jahrhunderten in der ostasiatischen Philosophie verwurzelt sind, werden sie kaum in Frage gestellt.
  • Mittlerweile ist der Konfuzianismus durch den Untergang des chinesischen Kaiserreiches keine organisierte Religion mehr. Deshalb kann zur Zahl der weltweiten Anhänger keine Aussage getroffen werden. Es darf jedoch angenommen werden, dass viele Menschen, besonders mit ostasiatischen Wurzeln, mit seinem Wertesystem vertraut sind und auch zumindest zum Teil ihr Leben daran ausrichten.

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