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Interne Spannungen im Team Stronach - Was ist passiert?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Wer hoch fliegt, kann tief stürzen.
Was zunächst nach platter Binsenweisheit klingt, hat sich im politischen Geschäft schon allzu oft bewahrheitet. Die Streitigkeiten, besser gesagt die Auflösungserscheinungen, im Team Stronach sind das neuste Beispiel dafür.

Gründe für die Auflösungserscheinungen im Team Stronach

  • One-Man-Show von Frank Stronach
  • Mangelnde Demokratie innerhalb der Partei
  • Keine klar definierten Strukturen in Personalsachen auf Landesebene
  • Fragwürdige TV-Auftritte und Sager von Frank Stronach
  • Medienhype im Wahlkampf ist längst vorbei - kann nicht auf Dauer gehalten werden

Große Dimensionen

Frank Stronach, austrokanadischer Milliardär, denkt immer in großen Dimensionen. Seine neugegründete Partei "Team Stronach" sollte seinen Aussagen zufolge 20-30% der Parlamentssitze erobern. Was vielen übertrieben ehrgeizig anmutete, schien sich zunächst zu bestätigen: Meinungsforscher sahen die Neupartei schon bei 15%. Die Unzufriedenheit der Österreicher mit ihren alteingesessenen Parteien war schon in der Vergangenheit ein hervorragender Nährboden für vermeintliche Lichtgestalten gewesen. Außerdem musste sich das Team Stronach über Geld niemals Gedanken machen, ist Frank Stronach doch geschätzte 1,7 Milliarden Euro schwer. In Zeiten zunehmender Skepsis gegenüber dem Euro konnte das Team Stronach mit der Forderung, zu den nationalen Währungen zurückzukehren, Pluspunkte sammeln. Ansonsten gab es inhaltlich wenig Neues: mehr Markt, weniger Staat, eine Flat Tax und günstigere Bedingungen für Arbeitgeber hießen die weiteren Programmpunkte.

 

Der verwirrte alte Mann?

Wie kam es also zur Implosion der Partei? Viele Beobachter sind der Meinung, dass die bisher guten Wahlergebnisse bei den Wahlen z.B. in Kärtnen und Niederösterreich vor allem einer "Denkzettel-Mentalität" der Wähler geschuldet seien, einem Effekt, der sich nicht ewig halten lässt. Auch trat der Parteigründer bisweilen zu angriffslustig (und zeitweise auch recht verwirrt) auf, unvergessen etwa eine Szene, in der er einen Maturanten anblaffte, der eine Frage zur Finanzierung der Pensionen gestellt hatte. Wer denke denn in dem Alter schon an Pensionen? Auch im Fernseh-Wahlkampf hat sich Stronach selten mit Ruhm bekleckert. So forderte der Partei-Leader beispielsweise - angesprochen auf seine Meinung zur Todesstrafe - eine "Todesstraffe nur für Berufskiller". Ein vielleicht etwas seltsamer Gedankengang, wie viele finden.

 

Demokratie?

Bei einer One-Man-Show ist die Frage nach innerparteilicher Demokratie stets heikel. Diese Erkenntnis musste auch Hans Mayr, ehemaliger ÖVP-Politiker, in Kauf nehmen. Er hatte mehr Mitspracherecht gefordert und musste die Erfahrung machen, dass Stronach nicht nur die Partei finanziert, sondern auch die Regeln bestimmt. Er musste seinen Posten räumen. Die Aussicht auf hohe Wahlergebnisse führte dazu, dass viele prominente Mitglieder der Partei zunächst die Füße still hielten. Nun, nach der Bauchlandung bei den Nationalratswahlen, entladen sich die Spannungen in der Partei. Dies hat dazu geführt, dass Frank Stronach die Lust verloren hat, er kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Was aus den Abgeordneten und den Parteimitgliedern wird, ist im Moment noch ungewiss.

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