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Islam: Was ist ein Kalifat?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:38
Als am 29. Juni 2014 die ISIS Dschihadisten große Teile von Irak und Syrien zu einem Kalifat erklärten...

Als am 29. Juni 2014 die ISIS Dschihadisten große Teile von Irak und Syrien zu einem Kalifat erklärten, waren viele nicht-muslimische Beobachter erst mal verdutzt und ratlos. Was bedeutet das jetzt eigentlich genau?

Was ist ein Kalifat?

Als ein Kalifat wird ein Land, eine Region, ein Territorium oder eine Stadt bezeichnet, die von einem Kalifen unter Ausübung von islamischem Recht regiert und geführt wird. Dieses politische und theologische Staatskonzept geht zurück bis zu den Zeiten des Propheten Mohammed. 

Was ist ein Kalif?

Ein Kalif ist ein geistiger Führer in der islamischen Welt. Während die tägliche Regierungsarbeit dem Sultan und seinem Hof überlassen blieb, war der Kalif der spirituelle Nachfolger, die Stimme des Propheten Mohammed. Die arabische Bezeichnung „Khalifa“ bedeutet nichts anderes als „Nachfolger“. In der katholischen Kirche hat der Papst eine vergleichbare Position inne. 

Wie entstand das erste Kalifat?

Als der Prophet Mohammed im Jahr 632 starb, hinterließ er eine Religion, die nur auf ihn persönlich konzentriert war. Er war in einer Person religiöser Führer, oberster Feldherr und die Quelle der Erleuchtung, der bis zu seinem Tod alle Streitigkeiten und Fragen allein regelte. Sein Tod stellte seine Anhängerschaft vor ein großes Problem, denn der Prophet hatte keine Söhne und hatte es versäumt, einen Nachfolger zu ernennen. Was nun?
Die ersten Kalifen waren noch relativ einfach zu bestimmen. Schließlich hatte Mohammed noch lebende Verwandte. Der erste Kalif nach Mohammeds Tod war sein Schwiegervater Abu-Bakr. Er war nicht nur der Vater von Mohammeds geliebter Frau Aischa, sondern auch ein treuer Gefolgsmann und guter Freund von Mohammed. Er gehörte zu den Ersten, die zum Islam konvertierten und begleitete Mohammed auf der Pilgerreise nach Medina.
Das erste Kalifat entstand. Unter Abu-Bakr und während der folgenden vier Kalifate unter der Führung von noch lebenden Freunden und Verwandten Mohammeds, sollte sich die neue Religion verfestigen, deren Gesetze genau ausformuliert werden und der Koran seine endgültige Fassung erhalten. 

Das Ende des letzten Kalifats

1922 wurde auf dem Gebiet der heutigen Türkei das bis dahin regierende osmanische Sultanat durch Kemal Atatürk von der großen Nationalversammlung ersetzt. Zwar gab es auch weiterhin einen Kalifen, aber dessen Einfluss war jetzt nur noch rein repräsentativ ohne eine wirkliche Macht.

1924 wurde auch dieser letzte Kalif offiziell in den Ruhestand versetzt. Das Zeitalter der modernen Türkei hatte begonnen. 
Seit dieser Zeit hat es in der arabischen Welt immer wieder Versuche gegeben, die Regierungsform des Kalifates wiederzubeleben, aber sie sind früher oder später alle gescheitert.

Ob das ISIS-Kalifat langlebiger ist, bleibt abzuwarten. Es ist auch sicher kein Zufall, dass sich der selbst ernannte Führer des ISIS-Kalifates ebenfalls Abu-Bakr (al-Baghdadi) nennt.

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