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Jean - Jacques Rousseau - Kurzportrait des Aufklärers

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) war ein schweizerisch-französischer Philosoph.

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) war ein schweiz-französischer Philosoph. In der politischen Ideengeschichte gilt er als bedeutender Vertreter der Aufklärung und Wegbereiter der Französischen Revolution.

Factbox

  •  Jean-Jacques Rousseau war einer der bedeutendsten politischen Denker des 18. Jahrhunderts. Seine Demokratie-Konzepte prägten die Vertreter der Französischen Revolution.
  • Kern von Jean-Jacques Rousseaus Staatslehre ist die Legitimation politischer Herrschaft durch einen Gesellschaftsvertrag. Der zentrale Orientierungspunkt für den Staatsbürger ist der gemeinwohlorientierte, gerechte und überparteiliche Gemeinwille.
  • In der vielfältigen Rousseau-Rezeption gilt der Philosoph einigen als Vordenker direktdemokratischer Politik, anderen wiederum als Wegbereiter moderner Diktaturen.

Ein Aufklärer im Kurzportrait

Gemeinwille und Demokratie

Sein berühmtestes Werk ist das 1762 veröffentlichte „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts“, in dem er danach fragt, wie politische Herrschaft zu legitimieren sei. Jean-Jacques Rousseau beschreibt darin, wie sich aus Individuen mit Einzelinteressen eine Gesellschaft bildet, die sich selbst einen Vertrag gibt. Dessen Grundlage ist der Gemeinwille. Dieser entspringt der menschlichen Vernunft, ist stets gemeinwohlorientiert, gerecht und steht über den individuellen Einzelinteressen.
In der Rezeption Jean-Jacques Rousseaus wurde besonders seine Typologie der identitären Demokratie hervorgehoben, nach der alle Staatsbürger Herrscher und Beherrschte zugleich sind (im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie). Dieser Ansatz gilt als Wegbereiter direktdemokratischer Konzepte (z. B. Bürgerversammlungen, Volksentscheide). Rousseau wurde aber auch als Vordenker moderner Diktaturen bezeichnet, da seine identitäre Demokratiekonzeption den Gemeinwillen als absolut begreift, Diskussionen ausschließt und abweichende Meinungen unterdrückt.

Erziehung zum Staatsbürger

Ebenfalls 1762 veröffentlichte Jean-Jacques Rousseau „Emile oder über die Erziehung“, sein pädagogisches Schlüsselwerk. Kern dieses Buchs ist die damals revolutionäre Forderung, „das Kind als Kind [zu] betrachten“. Rousseau entwickelte in „Emile“ Erziehungskonzepte für verschiedene Altersabschnitte, die sich am Kind selbst orientierten. Ziel der Erziehung sei es, den Zögling zu einem verantwortungsvollen Staatsbürger zu erziehen, der seine Pflichten gegenüber der Gesellschaft und ihrem Vertrag erfüllen kann.
Daher gilt „Emile“ nicht nur als Vorgriff auf pädagogische Konzepte des 19. Jahrhunderts, sondern ist auch als Ergänzung zum „Gesellschaftsvertrag“ zu lesen.

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