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Kommunitarismus - Eine kurze Einführung

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der Kommunitarismus ist eine politische Denkströmung, die den Gemeinschaftsbezug des Individuums betont.
Sie entstand in den 1970er und 1980er Jahren in den USA in der Auseinandersetzung mit liberalen Theorien.

Fact Box

  • Der Kommunitarismus ist eine Kritik am Liberalismus.
  • Er betont, dass das menschliche Individuum stets sozial gebunden ist, und daher Politik nicht vom liberalen „unabhängigen Individuum“ heraus konstruiert werden kann: Die Gemeinschaft ist deshalb die Grundlage der Politik.
  • Die Kommunitaristen fordern eine normative Politik, die sich nicht in der Bewahrung individueller Freiheitsrechte erschöpft, sondern das Gemeinwohl anstrebt.

Das Individuum in der Gemeinschaft

  • Im Kern ist der Kommunitarismus eine Kritik am Liberalismus, die zugleich den Republikanismus antiker und Rousseau‘scher Prägung zu erneuern versucht. Der zentrale Kritikpunkt lautet, dass der Liberalismus durch seine Betonung des Individuums zu einer Krise der Moderne geführt habe: zu Entsolidarisierung, Identitätsverlust und einem Niedergang der Gemeinschaft. Letztere wollen kommunitaristische Denker wieder beleben.
  • Der Kommunitarismus fordert, dass der Ausgangspunkt politischen Denkens nicht das unabhängige Individuum ist, sondern die Gemeinschaft. Grund dafür ist, dass das vom Liberalismus postulierte unabhängige Individuum nicht existiert, da der Mensch von Natur aus ein soziales Individuum sei: ein zoon politikon im Sinne Aristoteles‘. Hier knüpft auch die kommunitaristische Kritik am liberalen „negativen“ Freiheitsbegriff an, dem es nur um die Freiheit „von etwas“ gehe, und nicht „zu etwas“.

Für eine gemeinwohlorientierte Politik

  • Die Kommunitaristen fordern entsprechend eine Politik, die sich nicht mit der Erfüllung von Prozeduren zufrieden gibt, sondern normative Ansprüche stellt: Nicht die ausschließliche Wahrung individueller Freiheitsrechte („Freiheit von“), sondern das gemeinsame Anstreben von Gemeinwohl („Freiheit zu“) sei der Kern von Politik. Deshalb ist die institutionelle Grundlage des politischen Gemeinwesens nicht so wichtig wie die Tugendhaftigkeit der Bürger: Eine Qualität, die das Individuum freilich nur in einer Gesellschaft entwickle. An diesem Punkt lösten die Kommunitaristen den vermeintlichen Antagonismus zwischen Individuum und Gemeinschaft auf.
  • Zu Zeiten des Kalten Krieges war dies ein besonders relevanter Punkt, zumal sie eine republikanische Alternative zur dominierenden liberalen Spielart der Demokratie aufzeigten.

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