Foto: Shutterstock.com / Wahlumfragen werden durch verschiedenste Methoden durchgeführt.

Meinungsumfragen vor Wahlen: Sind sie aussagekräftig?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:28
Wenn am nächsten Sonntag gewählt werden würde...

Meinungsumfragen vor Wahlen beginnen immer mit dem berühmten Satz: "Wenn am nächsten Sonntag gewählt würde, dann ...". Im Rahmen dieser sogenannten Sonntagsfragen beschäftigen sich Wahlforschungsinstitute mit der Stimmung der Bevölkerung zu aktuellen Themen und Personen und wollen den Wahlausgang prognostizieren. Grundlage der Prognose ist eine repräsentative Unfrage in Teilen der Bevölkerung.

Eignet sich eine Meinungsumfrage aber tatsächlich für eine realistische Prognose oder dient sie vor Wahlen vielmehr dazu den Wahlkampf anzuheizen?

Hier ist der Zeitpunkt der Umfragen maßgeblich. Neben den klassischen Telefonumfragen durch Call-Center werden an den Wahltagen die Wähler unmittelbar vor den Wahllokalen befragt. Unmittelbar vor der Wahl, das heißt am Wahltage selbst, läßt sich eine sehr präzise Prognose abgeben. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Aufheizung des Wahlkampfen nicht mehr erfolgem, denn der Wahlkampf ist zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Die Umfrage am Wahltag direkt vor den Wahllokalen ist daher absolut aussagekräftig. Auf diese Prognose wird direkt um 18 Uhr nach Schließung der Wahllokale die erste Meldung in den Medien gestützt.

Umfragen, die durch Call-Center mit vorgegebenen Fragen erfolgen, treffen das tatsächliche Wahlergebnis kaum. Es wird lediglich die politische Stimmung zu dem Zeitpunkt der Umfrage ermittelt, wobei die befragten Personen durch einen Zufallsgenerator ermittelt werden. Nicht selten kommt es bei den verschiedenen Unfrageinstituten zu völlig unterschiedlichen Umfrageergebnissen. Natürlich spielen hier sehr viele verschiedene Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel der Inhalt der Frage, die Art der Fragestellung, das Verständnis des Fragenden und natürlich das Engagement des Befragten im Zeitpunkt des Interviews. Insgesamt läßt sich eindeutig festhalten, daß diese Umfragen in keiner Weise aussagekräftig sind.

Eine Tasache, die sich im übrigen auch schon in der Bevölkerung herum gesprochen hat. Lediglich etwa 10 % der Wähler nehmen derartige Umfragen überhaupt noch wahr. Überwiegend Wähler aus den höheren Bildungsschichten interessieren sich für Meinungsumfragen vor Wahlen. Allerdings sind diese Wähler kaum zu beeinflussen, da sie in ihrer Meinung sehr gefestigt sind. Wähler, die weniger gebildet sind, lassen sich eher durch die Medien als durch Meinungsumfragen beeinflussen.

Die Entwicklung zeigt, daß die noch unentschlossenen Wähler sich immer später entscheiden, welche Partei sie letztendlich wählen. Aus diesem Grund werden Meinungsumfragen mittlerweile oft ganz kurz vor der Wahl, etwa drei Tage vorher, durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Gefahr der Wahlbeeinflussung durch die Veröffentlichung der Ergebnisse einer Umfrage sehr groß. Denn dann wird genau der Zeitpunkt getroffen, zu welchem sich der vorher unentschlossene Wähler entscheiden möchte. Da kommt ihm das Ergebnis einer Umfrage gerade recht.

Besonders pikant: ARD und ZDF haben gemeinsam festgelegt, in den letzten Tagen vor der Bundestagswahl keine Umfrageergebnisse mehr zu veröffentlichen. Hierdurch soll die Gefahr der Wahlbeeinflussung gänzlich ausgeschlossen werden. Hintergrund ist die jüngste Landtagswahl in Niedersachsen. Hier sahen die letzten Umfragen die FDP bei 5 %. Wahlforcsher vermuten deshalb, daß das besonders starke Abschneiden der Partei bei der Wahl durch die Umfrage beeinflußt worden ist. Wähler die eigentlich CDU gewählt hätten, wären bei der Wahl zur FDP übergewechselt, um den gefährdeten Einzug der FDP ins Parlament im Sinne der schwarz-gelben Koalition zu sichern. Nachzulesen im SPIEGEL.

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