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Michail Bakunin - Kurzporträt und Lehre

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Michail Bakunin (1814-1876) war ein russischer Philosoph, sozialistischer Revolutionär und der Begründer des kollektivistischen Anarchismus.
Seine Lehren beeinflussten anarchistische Gruppierungen in ganz Europa.

Factbox

  • Michail Bakunin hat die Lehre des kollektivistischen Anarchismus begründet.
  • Zentral in seinem Denken ist die individuelle Freiheit in einer künftigen sozialistischen Gesellschaft.
  • Bakunin forderte die sofortige und gewaltsame Beseitigung autoritärer und hierarchischer Institutionen (des Staates, der Kirche und der kapitalistischen Wirtschaftsordnung) in einer spontanen Volksrevolution.

Wissenschaftliche Lehre

Gegen Staat, Kirche und Kapital

Im Zentrum seiner politischen Lehre steht die Idee der individuellen Freiheit. Der Mensch, so Michail Bakunin, habe sich nur den Gesetzen der Natur zu unterwerfen. Der russische Philosoph lehnte jegliche institutionalisierte und hierarchische Autorität ab. Mehr als alles andere richtete sich diese Ablehnung gegen die Institution des Staates. Bakunin machte hier keinen Unterschied zwischen monarchischer, republikanischer, tyrannischer, demokratischer, liberaler oder sozialistischer Ordnung: jeglicher Staat sei zu zerschlagen. Rhetorisch ebenso scharf ging Bakunin gegen die Kirche vor, denn er betrachtete Religion als Hindernis für Freiheit, Gerechtigkeit und Vernunft. Auch die im 19. Jahrhundert noch junge kapitalistische Wirtschaftsordnung bekämpfte Bakunin.

Mit Gewalt zur Freiheit

Der viele Jahre im Exil lebende Russe sah – ähnlich wie die Marxisten – eine sozialistische und klassenlose Gesellschaft als Endziel der Menschheit. Der Weg bis dahin sollte jedoch nicht erst über eine „Diktatur des Proletariats“ führen, sondern unmittelbar sein. Michail Bakunin forderte, dass das Volk in einer spontanen, aber umfassenden sozialen Revolution alle hierarchischen Institutionen hinwegfegen sollte, um sofort zur klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft überzugehen. Dabei äußerte er ein ambivalentes Verhältnis zu Gewalt: er betonte ihre absolute Notwendigkeit gegenüber Institutionen, sah ihren Einsatz aber im Falle staatlicher Gegengewalt auch gegenüber Staatsvertretern für gerechtfertigt. Nicht so sehr die Problematik der Gewalt an sich als viel eher die Frage des Wegs zur klassenlosen Gesellschaft führte zum Bruch Bakunins und seiner Anhänger mit Karl Marx, und somit zur dauerhaften Spaltung der sozialistischen Arbeiterbewegung in (marxistische) Sozialdemokraten und Anarchisten.

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