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Nobelpreisträger und Ökonom: Robert Shiller im Porträt

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Robert Shiller bekommt in diesem Jahr den Nobelpreis für Ökonomie. Damit wird ein Experte ausgezeichnet...

Robert Shiller bekommt in diesem Jahr den Nobelpreis für Ökonomie. Damit wird ein Experte ausgezeichnet, der frühzeitig auf kritische Wirtschaftsentwicklungen hingewiesen hat und der sich zugleich dem Mainstream der Wirtschaftexperten verweigert, welche die Wirtschaft überwiegend unter Modellgesichtspunkten betrachten.

Ein Verhaltensökonom als kritischer Analytiker

  • Bekannt wurde Robert Shiller durch seine Kritik am rasanten Wachstum des amerikanischen Immobiliensektors. Lange bevor die Immobilienkrise der USA sich zur Weltwirtschaftskrise entwickelt hatte, war Shiller einiger der wenigen Wirtschaftsexperten, die die Gefahren der Blase erkannten und benannten. Shiller hat einen eigenen Index entwickelt, der aufzeigt, wie Immobilienkrisen entstehen und sich verstärken können. Shiller ist anders als andere Ökonomen. Er hat sich früh für die Verhaltensökonomie entschieden, die starken Wert darauf legt, dass die Wissenschaft Ökonomie das tatsächliche Verhalten von Menschen untersucht, statt sich in mathematisch modulierten Idealwelten zu verlieren. 

Robert Schiller achtet auf scheinbare Nebensächlichkeiten

  • Um Robert Shiller im Porträt zu erfassen, muss man auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten eingehen. Der Sportsfreund Shiller erlebt auch Sportveranstaltungen anders als andere Menschen. So achtet er auf das Verhalten der Zuschauer und versucht Rückschlüsse auf den Spielverlauf durch dieses Zuschauerverhalten abzuleiten. Shiller hat erkannt, dass Menschen oft blind handeln und sich so den allgemeinen Trends nicht verschließen können. Dann kann es passieren, dass viele plötzlich Immobilien kaufen wollen, obwohl der Markt sich längst von realistischen Bewertungen entfernt hat. 

Staatliches Handeln wird immer wichtiger

  • Während die meisten Ökonomen den Staat für eine Störquelle in der Wirtschaftsentwicklung halten, betont Shiller in seiner Arbeit, dass staatliche Handeln relevant ist, um Krisen zu überwinden und langfristig die Chancen für Krisen zu vermindern. Übertreibungen beim Handeln der Akteure, Blasenbildung auf unterschiedlichen Märkten und weitere negative Effekte des Wirtschaftshandelns lassen sich nicht gänzlich unterbinden. Doch der Staat habe viele Ansätze, um diese Effekte einzudämmen. Wichtig ist hier besonders das Bildungswesen. Der Staat muss bereits sehr früh in der Ausbildung dafür sorgen, dass wirtschaftliche Handlungsmuster erkannt und verstanden werden können. Zugleich soll das Wissen um die Märkte die Menschen befähigen, weniger nach allgemeinen Trends zu handeln. Insgesamt steht Shiller damit stark in der Tradition von Ökonomen wie Keynes, die er um eine verhaltensökonomische Sichtweise erweitert hat.

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