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Nordkorea - Warum drohen sie mit dem Atomkrieg?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:21
Sind Südkorea und Japan in ernster Gefahr? Oder sind die Drohungen nur Kulisse für andere Forderung

Alle Welt rätselt: Wie ernst ist es Nordkorea mit dem angedrohten Atomkrieg? Sind Südkorea und Japan in ernster Gefahr? Oder sind die Drohungen nur Kulisse für andere Forderungen?

Politische Hintergründe

Die Ausgangslage:

  • Seit einem Atombombentest im Februar – der dritte nach 2006 und 2009 – überzieht das Regime aus Nordkorea die Welt mit wilden Atomkriegs-Drohungen: Südkorea werde in Kürze angegriffen und Amerikanische Städte wie San Francisco oder New York durch einen nuklearen Angriff vernichtet.
  • In den vergangenen Wochen stellte Nordkorea alle Kooperationen mit dem Süden des Landes ein und kündigte das Waffenstillstandsabkommen auf.
  • Die Regierung des Norden hat Botschafter aus aller Welt aufgefordert die Hauptstadt Pjöngjang zu verlassen. Wenig später wurde diese Warnung auch auf Ausländer in Südkorea ausgeweitet.
  • Internationale Experten gehen mittelweile davon aus, dass Kim Jong Un genug angereichertes Plutonium für acht Atombomben besitzt. Darüber, wie und ob das Regime sein nukleares Arsenal für einen Atomkrieg nutzen kann, herrscht allerdings großes Rätseln.

Gründe für die Drohung mit einem Atomkrieg gibt es einige:

  • Tatsächlich ist Nordkorea trotz seiner militärischen Stärke ein bitterarmes Land. Hunger und Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Einerseits können die außenpolitischen Drohungen deshalb von als Stärkung des Regimes nach innen gesehen werden. 
  • Andererseits verschafft sich die Militärregierung damit einen Handlungsspielraum in internationalen Verhandlungen, denn die von der UNO verhängten Sanktionen gelten immer noch. Außenpolitisch sollte man außerdem wissen, dass in den benachbarten Staaten Südkorea und Japan in den vergangenen Monaten neue Regierungen gewählt wurden. 
  • Und Nordkorea ist bekannt dafür, in solchen Fällen zuerst mal mit den Säbeln zu rasseln. Die Drohungen des Regimes mit einem Atomkrieg sind allerdings so schrill und konfus, dass mit China sogar der einzige Verbündete in letzter Zeit deutlich auf Distanz geht.
  • Ein weiterer Punkt ist die Position von Kim Jong Un. Der etwa 30-jährige – sein genaues Alter ist nicht bekannt – kam vor genau einem Jahr an die Macht, und es ist noch unklar, wie gefestigt seine Position innerhalb der Militärregierung ist. 
  • Ein durchaus mögliches Szenario ist, dass sich Kim gegenüber den alten Generälen beweisen will und deshalb auf Hardliner macht. Dass Kim Jong Un vom Westen nicht wirklich ernst genommen wird zeigt die Aktion des Satire-Portals The Onion ihn zum Sexiest Man Alive kürte. 
  • Die Frage bleibt, ob die Aktion witziger ist oder die Reaktion aus Nordkorea: Dort nahm man die Auszeichnung zunächst mal ernst und verbreitete die Nachricht vom sexy Führer über die staatlichen Agenturen.

Fazit

  • Wie viel Drohpotential wirklich hinter den Provokationen Nordkoreas steckt ist nach wie vor nicht ganz klar. Vielleicht braucht die Welt in dieser Situation wieder Leute wie Stanislav Petrov. 
  • Der Russe wurde vor kurzem mit dem World Citizen Award ausgezeichnet, weil er sich 1983 geweigert hatte, in einem Gegenschlag sowjetische Atomraketen auf den Westen abzufeuern. 
  • Der angebliche Erstschlag der USA hatte sich im Nachhinein als Computerpanne herausgestellt. 

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