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"Nüshu" - eine reine Frauensprache?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:22
Sie wird deshalb auch tatsächlich als eine "Frauensprache" bezeichnet.

Bei der Sprache "Nüshu" handelt es sich nicht um eine gesprochene Sprache, sondern um eine Schriftsprache. In der chinesischen Provinz Hunan wurde diese bis zum Tod der letzten dieser Sprache mächtigen Frau, Yang Huangyi, nur zwischen Frauen weitergegeben. Sie wird deshalb auch tatsächlich als eine "Frauensprache" bezeichnet.

Wissenswertes

Wie aber entsteht eine solche nur auf eine Gruppe beschränkte Sprache? 
Dazu gibt es zwei Theorien:

  • Die romantische Variante: Die Sprache Nüshu wurde um 1300 von einer Konkubine der Song Dynastie entwickelt, um mit Schwestern und Freundinnen ausserhalb des Hofes kommunizieren zu können.
  • Die brutalere Version: Als vor mehr als 4000 Jahren der erste Kaiser von China das Mandarin zur Hochsprache erklärte und alle anderen Schriften unter Androhung der Todesstrafe verbot, konnte die Sprache Nüshu von Generation zu Generation zwischen den Frauen weitergegeben werden. Da es sich jedoch um eine vereinfachte Version der Standardschrift handelt, spricht viel dafür, dass diese erst einmal existiert haben muss.
  • Sicher ist, dass Frauen in China über Jahrhunderte hinweg nur selten die Möglichkeit hatten, schreiben zu lernen und dadurch die Sprache Nüshu zu einer Art "versteckten Sprache" gewachsen ist.

Wofür wurde die Sprache Nüshu verwendet?

  • Da es sich um eine Sprache handelt, die vor allem der Kommunikation zwischen isolierten, von vielen gesellschaftlichen Tätigkeiten ausgeschlossenen Frauen diente, entwickelte sich die Sprache Nüshu zu einem Mittel, um Emotionen auszudrücken. 
  • Im 19. Jahrhundert wurde sie weiterhin gepflegt, um über die Einsamkeit in den oft ungewollten Ehen zu beklagen und sich unter Freundinnen auszutauschen.

Wird Nüshu heute noch verwendet?

  • Auch wenn die Sprache Nüshu heute kaum noch bekannt ist, gibt es Frauen, die sie wiederentdecken und pflegen wollen. 
  • Sie verstehen diesen geheimen Code als Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und Kraft zu geben.

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