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Politische Ideengeschichte - Ein kurzer Abriss

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Seit über Politik systematisch nachgedacht und mit kritischem Abstand des Analytikers diskutiert wird, also seit der Antike, wird die Bestimmung...

Seit über Politik systematisch nachgedacht und mit kritischem Abstand des Analytikers diskutiert wird, also seit der Antike, wird die Bestimmung von Politik immer wieder neu versucht. Die politische Ideengeschichte beginnt nach heutiger Auffassung mit den Klassikern der antiken Philosophie.

Fact Box

  • Platon und Aristoteles gelten als Begründer des politischen Begriffes.
  • Im Mittelalter ist der Begriff der Politik einem Niedergang ausgesetzt, der erst durch die Wiederentdeckung von Aristoteles überwunden wird.
  • Macchiavellis Schriften markieren eine Übergangszeit vom mittelalterlichen zum modernen Staats- und Politikverständnis.
  • Die Aufklärung formuliert Grundsätze und Vorstellungen, die wir bis heute als große Errungenschaft ansehen und die unser politisches Leben bis heute gestalten.

Herkunft und Entwicklung der Politik

Seit Platon und Aristoteles bezeichnet die Politik (gr. πολιτικά - die Staatsgeschäfte) die gesamte Wissenschaft von Gemeinschaft und Polis bzw. Gesellschaft und Staat. Doch selbstverständlich gab es auch schon vor den beiden griechischen Denkern Schriften, die von einer politischen Realität zeugen, ohne dass es ein konkretes Verständnis von Politik gab. So lässt sich in den Schriften des Alten Testaments sowie im frühgriechischen Epos und in anderen erhaltenen Schriften und Dokumenten antiker Kulturen eine Fülle von Materialien ausmachen, die das Zusammenleben von Völkern und den Staat und seine Geschäfte zum Inhalt haben. 
Platon und Aristoteles fassen die Politik dennoch als Erste als eine Ordnungswissenschaft auf, die auf rationalen Kriterien gründet. Von diesen Philosophen aus wurde der politische Begriff in die römische Zeit und über das Mittelalter bis hin zur Moderne und in unsere heutige Zeit tradiert. Dabei hat sich der politische Begriff natürlich gewandelt und entwickelt.

Geschichte des Begriffs in der Antike und im frühen Mittelalter

Bei Platon liegt die wahre Aufgabe der Politik nicht in Gesetzgebung und der Einrichtung von Institutionen, sondern in der "Sorge um die Seele". Das Bild des Staates sei laut Platon ein Abbild der Seele. Dagegen prägt Aristoteles den Begriff vom "Zoon Politikon": der Mensch - der als einzelner, isolierter nicht zu seiner Menschlichkeit käme - kann nur in der Polis als Mensch leben und sich verwirklichen. Mit Polybius und Cicero beginnt sich der politische Begriff von der griechischen Polis zu lösen und verbindet sich mit der politischen Praxis des römischen Staats. Im Mittelalter überlagern christologische Vorstellungen die gesamten Wissenschaften, sodass die politische Sphäre in dieser Zeit bloß nur noch ein unwesentlicher Durchgangsort innerhalb der Heilsgeschichte darstellt.

Wiederentdeckung der aristotelischen Schriften bis zum Spätmittelalter

Erst im 13. Jahrhundert erhalten diese Wissenschaften wieder einen Aufschwung, indem nämlich die aristotelischen Schriften wieder entdeckt werden. Machiavellis Politikverständnis gründet schließlich nicht zufällig auf der politischen Realität des spätmittelalterlichen Italiens, das in lauter konkurrierender Kleinstaaten zerrissen ist. Politik verkommt in dieser Zeit zum Ausdruck des Selbstbehauptungstriebes verschiedener politischer Entitäten. Ebenfalls bahnt sich bei Machiavelli die Idee eines modernen Nationalstaats an.

Politik in der Epoche der Aufklärung bis in die heutige Zeit

In der folgenden Epoche der Aufklärung erlebt die Politik eine regelrechte Hochzeit. Es bildet sich ein politisches Verständnis heraus, das von den Vorstellungen der Souveränität sowie des Natur- und des Völkerrechts geprägt ist. Mit John Locke, der die Vertragsnatur des Herrschaftsrechts formuliert, wird endgültig der patriarchalisch-theokratische Herrschaftsgedanke überwunden. Mit der Verwirklichung des modernen Rechts- und Verfassungsstaates erschöpft sich die gestaltende Kraft der politischen Wissenschaft zunächst und erlebt mit dem Aufkommen totalitärer Staaten eine Krise, die bis in unsere heutige Zeit mündet.

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