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Position zur Inquisitionsgeschichte innerhalb der katholischen Kirche?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Die Inquisition (lateinisch "Untersuchung") bezeichnet jene im spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Europa durchgeführten Gerichtsverfahren gegen Ketzer.

Die Inquisition (lateinisch "Untersuchung") bezeichnet jene unter Regie der katholischen Kirche im spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Europa durchgeführten Gerichtsverfahren gegen angebliche oder tatsächliche Häretiker (Ketzer), die durch rücksichtslose Anwendung unmenschlicher Maßnahmen der Folter gekennzeichnet waren und oft mit dem Tode des Häretikers durch Verbrennen bei lebendigem Leibe endeten. 

Eine Umbenennung

  • Die Position zur Inquisitionsgeschichte ist in der Moderne dadurch bestimmt, dass die Inquisition 1908 in Sacra congregatio Romanae et universalis Inquisitionis seu Sancti Officii (kurz Sanctum Officium, also Heiliges Offizium oder Glaubenskongregation) umbenannt wurde, aber in dieser Form bis heute als Organ des Vatikans existiert. 
  • Der damalige Papst Johannes Paul II trug als persönliche Position zur Inquisitionsgeschichte am 12.3.2000 in Rom öffentlich vor, dass Vertreter der Kirche "zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen", was allgemein als Schuldbekenntnis für die durch die Inquisition begangenen Taten angesehen wird. 
  • Ganz anders allerdings Joseph Karl Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., als Vorsitzender der Glaubenskongregation und Großinquisitor am 3.3.2005, als er freimütig bekannte, "dass Inquisition der Fortschritt war". 
  • Der gleiche Mann, von 2005 bis 2013 Papst und Oberhirte der katholischen Christenheit, hatte sich bereits im Jahre 1998 vehement dagegen gewehrt, die Inquisition mit der zeitgenössischen Justiz zu vergleichen und die Maßstäbe heutiger Justiz an die Inquisition anzulegen. Zwar sei generell bei der Inquisition einiges schief gelaufen, doch sei sie grundsätzlich der Justiz ihrer Zeit weit voraus gewesen und müsse daher auch in einem günstigen Licht betrachtet werden. 

Einziges Schuldanerkenntnis

  • Der Dominikanerorden (bezeichnenderweise in der deutschen Übersetzung "Die Hunde Gottes"), vom Papst im 13. Jahrhundert mit der Durchführung der Inquisition offiziell beauftragt und unter anderem in der Hexenverfolgung besonders aktiv, sah sich genötigt, im Jahre 2000 folgende Position zur Inquisitionsgeschichte einzunehmen: "Deutsche Dominikaner waren nicht nur in die Inquisition verstrickt, sondern haben sich aktiv und umfangreich an ihr beteiligt...Durch das Verfassen des ‚Hexenhammers‘ (Malleus Maleficarum) unterstützte und förderte er die menschenverachtende Praxis der Hexenverfolgung. Folter, Verstümmelung und Tötung haben unendliches Leid über zahllose Menschen gebracht; deutsche Dominikaner haben dazu, neben anderen, die Voraussetzung geschaffen." Ein Bekenntnis das hoffen lässt, während aus Rom lediglich Verharmlosungen des Geschehens kamen.

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