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Psychologie: Wie man die eigenen Gedanken kontrollieren kann

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:35
Selbstbestimmung, Emotionen und Gedankenkontrolle

"Es sind nicht die Dinge, die uns beruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben." - so formulierte es der griechische Philosoph Epiktet, um die eigene Welt- und Lebensanschauung zu relativieren. Diese Ansicht hilft uns im Alltag gelassener zu werden und die eigenen Gedanken und Emotionen zu kontrollieren.

Das Refraiming:

Wir beginnen mit einem bewährten Konzept der Selbstbestimmung: Reframing (Neurahmung) oder "Kopfstand-Methode" heißt das in der Familienpsychologie erfolgreich angewandte Verfahren. Dabei deuten wir den Sinngehalt von Ereignissen für uns um. Wir setzen z. B. einen neuen Rahmen um den (bisherigen) Tag und eröffnen uns somit neue Perspektiven. Gedanken kontrollieren geht dann wie von selbst.

Der Gedanke 'Mein Partner kontrolliert mich!' könnte z. B. zu 'Meinem Partner liege ich sehr am Herzen!' umgedeutet werden und womöglich insgesamt über ein harmonisches Miteinander entscheiden. Eine Änderung der eigenen Wahrnehmung kann also wahre Wunder bewirken, ohne sich selbst zu betrügen.

Die Self-Fulfilling-Prophecy

Ein weiterer Ansatz, um Gedanken kontrollieren und steuern zu können, ist die selbsterfüllende Prophezeiung. Erzählt man z. B. Schülern am Anfang des Schuljahres mehrmals, dass sie zu den besten ihres Fachs gehören, dann sind diese Schüler nachweislich am Ende des Schuljahres erfolgreicher. Bei einer entsprechenden Vergleichsgruppe, der man nichts eingeredet hat, blieben die Leistungen identisch zu den Vorjahren. Wie kann das sein?


Die Schüler im obigen Beispiel passen ihr Verhalten automatisch ihrem Ruf an. Sie werden "selbsterfüllend" nachweislich sorgfältiger und fleißiger in der Schule. Stereotypen dieser Art finden wir z. B. auch in der Horoskopie, im Placebo-Effekt oder der körperlichen Attraktivität von Menschen.

Um diesen Effekt für seine persönliche Selbstbestimmung auszunutzen, kann man folgendes Experiment machen: Fasse jeden Morgen einen Vorsatz - z. B. "Heute werde ich Erfolg haben!", "Ich bin glücklich" oder "Meine Mitmenschen wollen mir grundsätzlich nichts Schlechtes." Mit anderen Menschen lässt sich ähnlich gestalten; z. B. kann man ernst gemeinte Belobigungen an seine Arbeitskollegen aussprechen, um deren Selbstwertgefühl zu bestärken bzw. eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Der Halo-Effekt

Der Halo-Effekt ist ein besonderes Werkzeug der Gedankensteuerung. Er beschreibt eine Eigenschaft einer Person oder deren Wahrnehmung durch andere, die das Gesamtbild der betreffenden Person komplett verschleiern. Dazu gehören z. B. Aussehen, Eigenschaften oder Vorurteile. Intelligenz, Durchhaltevermögen, Fleiß oder soziale Kompetenzen werden Menschen eher zugeordnet, wenn häufig nur eine der obigen Eigenschaften deren Erscheinungsbild gänzlich überstrahlt. Dieses Verhaltensmuster zeigt sich auch in negativer Richtung, so dass wir Menschen gleich mehrere negative Eigenschaften dazu dichten. Wie nutze ich den Halo-Effekt im Alltag?

Das Bewusstmachen des Halo-Effekts wäre ein sinnvoller Weg. Menschen nicht (immer) nach ihrem verstärkten Erscheinungsbild bewerten, sondern möglichst nach objektiven Kriterien. Wobei der Halo-Effekt in entsprechenden Berufssparten natürlich auch erwünscht ist.
Kennst du also die Vorlieben der beurteilenden Person (z. B. Chef) wie Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Merkleistungen oder persönliche Gespräche, dann sollte man diese bewusst einsetzen, um auch mit anderen positiven Eigenschaften geschmückt zu werden.

Die kognitive Dissonanz:

Zum Abschluss wollen wir uns die kognitive Dissonanz (gedanklicher Missklang) anschauen, die erklärt, warum wir uns die Welt immer schönreden:

Das gedankliche Streben nach Harmonie führt zur Missachtung unangenehmer Neuigkeiten bzw. Entwicklung neuer angenehmer Gedanken. In der Praxis zeigt sich das auch, wenn wir zum Beispiel Nachrichtenmedien rezipieren. Hier wird aktiv nach Inhalten gesucht, die unserer Meinung bzw. Einstellung entsprechen. Wir verbinden dieses Phänomen mit der Rechtfertigung des Aufwandes und heraus kommt z. B. "Was nichts kostet, ist nichts wert." oder "Ich investiere nicht viel, also bekomme ich nicht viel." - ...vergesse also alles Bisherige, dein Weltbild könnte sich verändern.

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