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Religionsgeschichte - Was war die Inquisition?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der sogenannte Inquisitor ist die Position des geistlichen Vorsitzenden eines derartigen Inquisitionsverfahren.

Der Begriff Inquisition, abgeleitet von „inquirere“ (dt. „untersuchen“), bezeichnet ein Gerichtsverfahren im späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit, welches sich der Verfolgung antichristlicher Menschen, den sogenannten Häretikern („Ketzern“) widmete. Diese Verfolgungen wurden von der katholischen Kirchen beziehungsweise deren Geistlichen initiiert. Dabei bedienten sie sich der Prozessform des Inquisitionsverfahrens („Untersuchung“, vom lateinischen inquisitio). Der sogenannte Inquisitor ist die Position des geistlichen Vorsitzenden eines derartigen Inquisitionsverfahren.

Organisation und Abläufe

Die Inquisition vollstreckte sich insgesamt über fünf Jahrhunderte. Sie entstand Anfang des 13. Jahrhunderts und verschwand im ausgehenden 18. Jahrhundert. Vor allem diente sie der römisch-katholischen Kirche als Instrument zur leichteren Aufspürung sowie Bekehrung, beziehungsweise Verurteilung der Häretiker. Jedoch erst im späten Mittelalter wurde das bereits erwähnte Inquisitionsverfahren angewandt. Der eigentliche Entstehungsprozess der Verfolgung der Ketzer fällt auf die Mitte des 13. Jahrhunderts. Neben der Häresie (Widerspruch zur Kirche), einem damaligen Verbrechen, konnten durch die Inquisition auch andere Straftaten verfolgt werden, besonders wenn Fragen des Glaubens (Blasphemie oder Magie) berührt wurden.


Allerdings spielt die Verfolgung der Ketzer bei der Hexenverfolgung eine untergeordnete Rolle. Die vollzogenen Inquisitionsverfahren wurden von der Kirche toleriert und legitimiert, da diese sich auf biblische Texte beziehungsweise Texte der kirchlichen Autoritäten stützte.
Um derartige Inquisitionsverfahren zu vollziehen oder ein Urteil zu fällen gab es keine selbstständige Behörde.
Zudem wurden Ketzer nicht permanent verfolgt, somit stellten die Verfolgungen keine permanent aktive Erscheinung dar. Ketzer wurden dort verfolgt, wo es die Kirche als notwendig betrachtete und sämtliche Voraussetzungen für Inquisitionsverfahren erfüllt waren.
Deshalb kam es zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Gebieten Europas, vor allem jedoch in Süd- und Mitteleuropa, zu derartigen Verfolgungen.


Verschiedenste Organe der Ständegesellschaft mit unterschiedlicher Motivation waren stellenweise dafür verantwortlich. Demnach variierte auch der Einsatz von Foltermethoden bei Verhören, genauso wie die Häufigkeit der Verhängung der Todesstrafe.
Bei den Inquisitionsverfahren führten in erster Linie Bischöfe beziehungsweise Ordensgeistliche den Vorsitz. Mit Beginn der Frühen Neuzeit änderte sich allerdings das Wesen der Inquisition. In Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien wurde sie institutionalisiert und in die Strukturen des Staates eingebettet. Dadurch konnte der jeweilige Herrscher über die Verfolgungen entscheiden. In dieser geschichtlichen Epoche wurden zudem auch Protestanten durch die Inquisitoren verfolgt.

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