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Religionskritik in der österreichischen Gesellschaft

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Zunächst lässt sich feststellen, dass Religionskritik so alt ist, wie die Religion und seit je her mit Religion verbunden war.
Religionskritik hat ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Philosophie und zieht sich durch das Mittelalter und die Aufklärung bis in das 20. Jahrhundert und in unsere Tage. Religionskritik begreift sich als Denkansatz, der die Religion an sich, ihr Credo, ihre Erscheinungsformen, ihre Denkkonzepte, ihre Institutionen hinterfragt und in Frage stellt. Dies geschieht sowohl von einem rationalen, wie auch von einem ethisch-moralischen Standpunkt aus.

Kritik der Religion in Österreich

Da die Religionskritik in ihrer Geschichte stets eng verknüpft war mit Zentren der Philosophie, aber auch der Psychologie, kann es nicht verwundern, dass viele Kritiker Österreicher waren und in der österreichischen Geistesgeschichte gewirkt haben. Hier seien Freud, Wilhelm Reich, Wittgenstein und Karl Popper erwähnt, die sehr vehement und nachhaltig als Religionskritiker innerhalb der österreichischen Gesellschaft in Erscheinung getreten sind.

Aktuelles

Auch heute finden sich innerhalb der österreichischen Gesellschaft zahlreiche Institutionen und Einrichtungen, die öffentlich Religionskritik üben. Dies sind unter anderem der Zentralrat der Konfessionsfreien Österreichs, der Freidenkerbund Österreichs, die Regionalgruppe Österreich der Giordano Bruno Stiftung, der Verein Betroffene kirchlicher Gewalt mit Sitz in Wien, die Wiener Initiative Religion ist Privatsache, die österreichische Laizismus-Kampagne, die österreichische Humanisten-Szene, die österreichische No-God-Kampagne, die österreichische Beratungsstelle für Kirchenaustritte, diverse Humanisten-, Agnostiker- und Atheistenverbände sowie die Bundesstelle für Sektenfragen. Im Zentrum der Kritik innerhalb der österreichischen Gesellschaft stehen dabei neben der aktuellen Mißbrauchsdebatte eine nachhaltig wahrgenommene Unfähigkeit verantwortlicher Kleriker, auf die drängenden Probleme der österreichischen Gesellschaft anders reagieren zu können, als mit unzeitgemäßen theologischen Spitzfindigkeiten und klerikalen Phrasen (Atheistisch-laizistische Organisation Österreichs). Ebenso kritisiert wird insbesondere das verschrobene und anmaßende Geschichtsbild des vormaligen Papstes Benedikt XVI., das sich unter anderem in seinen Bekenntnissen manifestierte, wonach Atheismus zwangläufig stets zu Revolution, zu Kommunismus und Naziherrschaft führen müsse und die entscheidende Wurzel des deutschen Nationalsozialismus in einem allgemeinen Trend der deutschen Bevölkerung zum Atheismus in der Zeit vor der Machtergreifung zu suchen sei. Ebenso stehen Versuche der Einflußnahme kirchlicher Kreise auf die österreichische Politik und das Vermögen der katholischen Kirche in Höhe von einer halben Billion Euro im Fokus der Kritik.

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