Foto: Shutterstock.com

Skinhead vs. Neonazi? - Begriffliche Genauigkeit

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:06
Teilweise zu unrecht werden Skinheads der rechtsextremen Szene zugeordnet.

Immer wieder wird der Begriff „Skinhead“ mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht, obwohl es sich hierbei um eine Subkultur handelt, der man allgemein keine politische Haltung zuschreiben kann. Das liegt vor allem an dem klassischen Erscheinungsbild heutiger Neonazis, das dem der Skinheads sehr ähnlich sieht. Kahl geschorene Köpfe, Bomberjacken, schwarze Stiefel und Jeans kann das Outfit eines Rechtsextremen, eines Linksextremen oder gar politisch Uninteressierten sein. Somit lässt sich auch der eigentliche Begriff „Skinhead“, der übersetzt „Glatzkopf“ oder „kahler Kopf“bedeutet, auf beide Gruppierungen anwenden.

Die Gründe dafür

Geschichte:

  1. Die Gründe hierfür lassen sich in der Geschichte der eigentlichen Skinhead-Bewegung finden.
  2. Diese entstand Ende der 60er Jahre in Großbritannien, in den Arbeitervierteln Londons.
  3. Zwar war jene Subkultur seit Beginn von Gewalt und Aggression geprägt, blieb aber politisch bunt gemischt und verfolgte lediglich das Ziel, sich von den damaligen Hippies, die oft lange Haare trugen, sowie dem gut gekleidetem Bürgertum abzugrenzen.
  4. Erst gegen Ende der 80er Jahre kam es zu einer Abspaltung jener rechtsextremem Skinheads, denen schon bald der Großteil des Medieninteresses galt.
  5. Dies führte zu einem verzerrten Bild in der Öffentlichkeit, und schnell schlossen sich rechtsextreme Personen der Bewegung an und imitierten größtenteils Kleidung und Frisuren der ursprünglichen Skinhead-Bewegung.


Bild in den Medien heute:

  1. Auch heute dominieren Neonazis das Bild eines Skinheads in den deutschen Medien.
  2. Das liegt zum einen an dem großen Interesse der Öffentlichkeit an Demonstration und politisch motivierten Übergriffen, aber natürlich auch daran, dass die ursprüngliche Skinhead-Bewegung in England entstand, und es somit in Deutschland weitaus mehr Neonazis als Skinheads gibt.


Allgemeines:

  1. Oft lässt sich anhand des äußerlichen Erscheinens nicht sagen, welcher Szene und politischer Ausrichtung eine Person angehört.
  2. Details wie ein komplett rasierter Kopf ohne Haaransatz, was unter Skinheads unüblich bis verpönt ist, oder Aufnäher der Organisation SHARP („Skinheads Against Racial Prejudice“ – Skinheads gegen rassische Vorurteile) können in einigen Fällen eine ganz klare Zuordnung erkennen lassen.

Kommentare