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Warum ist Berlin die Bundeshauptstadt?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:56
Im "westlichen" Grundgesetz war das Ziel der Wiedervereinigung niedergeschrieben...

Die Frage, warum Berlin Bundeshauptstadt geworden ist lässt sich am besten aus dem Blickwinkel der Menschen und der Politik vor der Wiedervereinigung Deutschlands betrachten. Im "westlichen" Grundgesetz war das Ziel der Wiedervereinigung niedergeschrieben und es sollte die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse in allen Teilen Deutschlands angestrebt werden.

  1. Dies führte zu einer im Laufe der Zeit ziemlich interessanten Entwicklung! Während der Zeit der Teilung und insbesondere nach dem Mauerbau im August 1961 waren die drei westlichen Sektoren von Berlin von der DDR und der Mauer umgeben. 
  2. Bewegungsfreiheit gab es anfangs gar keine und wer das Stadtgebiet von Berlin verlassen wollte musste im Transit bis zum Bundesgebiet fahren oder eine Einreise in die DDR beantragen. Was heute selbstverständlich ist war damals schwierig: Wer von Berlin (West) nach Potsdam fahren wollte, der musste ein Visum beantragen und Geld  umtauschen. Also einfach ins Auto oder die S-Bahn setzen: Ging nicht.
  3.  Viele Westberliner fühlten sich fast wie in einem riesig großen, eingeschlossenen Gebiet. Um nicht zu sagen der Festung West-Berlin! Dabei war es teilweise sehr schwierig Kindern zu erklären, warum sie nicht mehr in den östlichen Nachbarstadtteil durften. 
  4. Diese Härten wurden wenigstens ein bisschen ausgeglichen durch staatliche Subventionen: Flüge zwischen Berlin und der Budnesrepublik Deutschland wurden subventioniert! Im Rahmen der Einkommensteuer gab es Vorteile für alle, die in West-Berlin blieben.
  5.  Und so setzte sich mit der Zeit auch der politische Gedanke durch, dass nach der - von manchem nicht mehr erwarteten - Wiedervereinigung eine gemeinsame Hauptstadt nicht mehr in Bonn liegen dürfte. 
  6. Da man der Berliner Bevölkerung die Hauptstadt versprochen hatte kam es zu einer spannenden Entscheidung um Bundestag: 338 Abgeordnete stimmten für, 320 Abgeordnete gegen den Umzug nach Berlin. Da bei dieser Entscheidung gilt "Mehrheit ist Mehrheit" wurde mit dem Ausbau Berlins zur Hauptstadt begonnen.
  7.  Die Freude der Wiedervereinigung sollte sich auch in der Architektur widerspiegeln! Deshalb sollten möglichst wenige Ministerien in bisher von der DDR-Regierung genutzten Gebäuden untergebracht werden. Symbole für den "Arbeiter und Bauern"-Staat DDR wurden gezielt abgerissen wie der Palast der Republik, das Außenministerium oder auch Teile des Zentralratsgebäudes.
  8.  In der Mitte zwischen West-Berlin und Ost-Berlin und im ehemaligen Niemandsland des Grenzstreifens sollte die neue, demokratische Bundesrepublik mit ihren freiheitlichen Symbolen entstehen. 
  9. Deshalb entstand ein gläsernes, ursprünglich vollkommen öffentlich geplantes Gebäude für öffentliche Sitzungen und der Deutsche Bundestag im ehemaligen Reichstag mit einer transparenten Kuppel.Mit diesem "Band des Bundes" wollte die Bundesregierung von Helmut Kohl die Verbindung zwischen Ost und West herstellen.
  10.  Somit wurden wesentliche Hauptstadtfunktionen von Bonn nach Berlin verlagert. Köln war übrigens nie Bundeshauptstadt, sondern beherbergt nur einige wenige Bundesbehörden wie beispielsweise das Bundesamt für Güterverkehr (auch mit der Mautaufsicht für LKW), das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 
  11. Nach dem Umzug von Bonn nach Berlin bekam Bonn als Ausgleich einige Initiativen für die Wissenschaftsstadt und behielt die Konzernsitze der damals noch nicht privatisierten Deutschen Telekom und der Deutschen Post AG.

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