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Warum man die CDU in Bayern nicht wählen kann

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:32
Bayern und die CSU - das gehört für viele Menschen zusammen, wie Feuer und Rauch.
Es ist sogar so alltäglich und selbstverständlich geworden, dass es kaum noch thematisiert wird, weder in den Medien, noch im Unterricht. Aber warum genau eigentlich gibt es keine CDU in Bayern? Liegt es an der berühmt, berüchtigten "Mia san mia"-Einstellung der Bayern? 


Nun, zumindest nicht in erster Linie!

Erklärung: Deutschland, CDU, CSU und Bayern

  • Nach dem 2.Weltkrieg gründeten sich noch im Jahre 1945 überall in Deutschland konservative, bürgerliche und christliche Parteien auf der Kommunalebene als Gegengewicht zur SPD und KPD. 
  • Je nach dem welches Ereignis man als Gründung betrachtet, gibt es verschiedene in Frage kommende Termine zur Gründung der CSU. Der 12. September 1945 gilt als frühester möglicher Gründungszeitpunkt, als in München die Gründung der "Bayerischen Christlich-Sozialen Union“ beschlossen wurde. Eine Übersicht über die Geschichte der CSU findet man hier
  • 1950 schließen sich in Königswinter diese christlich-konservativen Parteien in Deutschland zur CDU zusammen - mit Ausnahme von der CSU aus Bayern, welches sich diesem Bündnis nicht anschließt, dafür aber auch gleich klar stellt, sich auf die Landespolitik zu konzentrieren. Aufgrund dieses Zusammenschlusses spricht übrigens auch von der Union, und nicht von der Partei. 
  • Historiker sehen in den Machtkämpfen zwischen den einzelnen Landesgruppierungen den Hauptgrund für das Ausscheren der CSU. Allerdings war die CSU innerlich auch sehr heterogen und sich intern uneinig über die politische Zukunft der Partei. So spielte beispielsweise lange Zeit die separatistisch orientierte Bayernpartei eine große Rolle in Bayern - ein Umstand, welcher die Zusammenarbeit mit den anderen deutschen Christlich-Konservativen Gruppierungen nicht gerade förderte.
  • Das Verhältnis von CDU und CSU war nicht immer einfach. Höhepunkt der Auseinandersetzungen untereinander war wohl der Kreuther Trennungsbeschluss. Die CSU beschloss damals, im November 1976, sich von der CDU zu lösen. Widerrief diesen Entschluss aber bereits im Dezember 1976, als Helmut Kohl (CDU) signalisierte, dass in solch einem Fall die CDU auch in Bayern zur Wahl antreten würde. Hintergrund dürfte wohl unteranderem der Plan gewesen sein, Franz Josef Strauß (CSU) als Bundeskanzler in Position zu bringen.
  • Das CDU und CSU noch heute auf politischer Ebene eine Bundesfraktion bilden, dürfte hingegen ehr politischen Erwägungen zu verdanken sein. So kann z.B. die CDU tendenziell Realpolitik betreiben, während die CSU ehr auf Tradition und Werte setzt. Zusammen deckt man so ein breites, konservatives Spektrum ab. Auch möchte man sich vermutlich nicht gegenseitig Wählerschichten abwerben - und sich am Ende nicht gegenseitig schwächen. Denn schließlich ist die CSU in Bayern tief verwurzelt und stellte - bis auf die Wahl von Wilhelm Hoegner (SPD) bei der Wahl 1950 - immer den Bayrischen Ministerpräsidenten.
  • Deswegen tritt die CDU in Bayern nicht zu den Wahlen an, während die CSU im Gegensatz nicht auf Bundesebene antritt. Es ist also ein Trugschluss zu glauben, in Bayern könnte man beides Wählen. CDU und CSU - dies ist nicht der Fall! Zusammen bildet man dann die Bundesfraktion CDU/CSU.
  • Für weitere Informationen rund um die Geschichte der CSU empfiehlt sich hier ein Besuch.

 

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