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Was versteht man unter dem soziologischen Begriff „Klasse“?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:22
Oft resultiert für die Mitglieder dieser Klassen aus diesen Merkmalen heraus ein Klassenbewusstsein,

In der Soziologie werden Gruppen von Menschen als Klasse bezeichnet, die sich durch spezifische gemeinsame ökonomische Merkmale auszeichnen. Oft resultiert für die Mitglieder dieser Klassen aus diesen Merkmalen heraus ein Klassenbewusstsein, das sich auf unterschiedliche Weise manifestiert. 

Etymologischer Ursprung des Begriffs

  • Der soziologische Begriff Klasse wurde im Laufe der Zeitgeschichte immer wieder verwendet. Nachgewiesen wurde der Begriff bereits bei den Schriften des griechischen Philosophen Aristoteles, der im 4. Jahrhundert vor Chr. lebte.
  • Im Römischen Reich wurde der soziologische Begriff Klasse zur Steuereinteilung verwendet. Aus diesem Zeitraum stammt eine weitere Begrifflichkeit, die aus sozialer Sicht mit dem Begriff Klasse eng verbunden ist. Die Proletarii waren im alten Rom die Bevölkerungsschicht, die lediglich ihre meist zahlreichen Nachkommen, Proles, als Kapital zur Lebensabsicherung hatten. Das bekannteste Beispiel für die Verwendung des soziologischen Begriffs Klasse stammt von Karl Marx.
  • In der Klassentheorie des Marxismus wird der soziologische Begriff Klasse verwendet, um die Ungerechtigkeit einer Klassengesellschaft anzuprangern. In der Regel bestanden frühere Klassengesellschaften aus mehreren Schichten, deren unterste Klasse vielfach Sklaven waren. Denen folgten Tagelöhner und Bauern als weitere Klasse, dann Handwerker, Händler, Beamte und als herrschende Klasse der Adel. Diese Form der Klassengesellschaft hielt sich in Europa praktisch über das gesamte Mittelalter.
  • Mit dem Beginn der industriellen Revolution veränderten sich die Klassenstrukturen langsam bis zur jetzigen Form, in der zur Unterscheidung nicht mehr von Klassen gesprochen wird, da dieser Begriff in Deutschland negativ behaftet ist. Moderne Industrieländer sprechen von Produktivkräften und Kapitalgebern. Allerdings zeigen sich auch innerhalb einer modernen sozialen Gemeinschaft immer Anzeichen von Klassenverhalten, auch wenn dies nicht direkt angesprochen wird. Nach wie vor zeigt sich dies durch ökonomische Merkmale. Ein gutes Beispiel hierfür sind die unterschiedlichen Zonen in Großstädten, die sich durch die bestehenden Grundstückspreise und den daraus resultierenden Wohnkosten manifestieren. 
  • In anderen Ländern ist die Klassengesellschaft religiös begründet und gehört auch heute noch zur Gesellschaft. In Indien etwa ist der Hinduismus Staatsreligion und die Menschen werden hier in eine religiöse Klasse hinein geboren. In der Regel ist der Aufstieg in eine „höhere“ Klasse für Inder einer sogenannten niederen Kaste ausgeschlossen. Es gibt aber Ausnahmen. 
  • Je feudalistischer eine Gesellschaft aufgebaut ist, desto ausgeprägter sind die Klassenunterschiede. In sozialistischen Ländern wurde und wird versucht, Klassenunterschiede abzubauen. Jedoch scheitert dies vor allem am menschlichen Egoismus, so das sich selbst in Ländern wie etwa Kuba unterschiedliche Klassen zeigen. 
  • In Deutschland wie den anderen europäischen Industrieländern sehen einige Ökonomen einen Stand der Produktivkräfte, der es ihrer Meinung nach möglich machen würde, die Klassen in der Gesellschaft abzuschaffen. Grundlage hierfür ist die Automatisation der Produktion, die es erlaubt, das der Arbeitnehmer immer weniger Zeit für die entgeltliche Arbeit aufbringen muss. Daraus leitet sich auch die Idee des Bürgergeldes ab, das es dem einzelnen Bürger ermöglichen würde, die persönlichen Interessen voran zustellen. 

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