Foto: Shutterstock.com

Wie funktioniert eine Familienaufstellung?

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 13:52
Die Familie ist Ursprung und Hintergrund für jeden einzelnen Menschen.
Doch die Harmonie der Familie und ihr Beziehungssystem sind durch viele interne Unstimmigkeiten und Differenzen bedroht. Generationenkonflikte, Partnerschaftsprobleme, Verständigungsbarrieren, Ignoranz oder Gewalt stellen nur einige dieser Disharmonien dar. Ein harmonisches und liebevolles Familienverhältnis ist jedoch essenziell für die eigene Lebensqualität und die Lebensqualität aller Familienmitglieder. Um Familienkonflikte langsam aufzulösen, gibt es eine Reihe von psychoanalytischen Maßnahmen und Therapien. Die Variante der Familienaufstellung hat sich dabei oft als hilfreich erwiesen, obwohl diese Variante kontrovers diskutiert wird, denn in Zeiten der zwischenmenschlichen Kälte, versuchen sich auch Laien an der Organisation dieser Seminare.

  • Die Gefahren einer Familienaufstellung liegen in der psychischen Instabilität der Teilnehmer und in der Unprofessionalität der Initiatoren. 
  • Da sich die Teilnehmer (Stellvertreter) mit den Rollen der Familienangehörigen identifizieren und dadurch authentische Interaktionen entstehen, kann es durchaus passieren, dass ein Stellvertreter psychosomatische Belastungen davonträgt. 
  • Organisatoren, die sich zwar als fachkundig ausgeben, sich aber nicht tiefgründig mit der Systematik der Familienaufstellung beschäftigt haben, gefährden die psychische Situation der Teilnehmer und sind dementsprechend unfähig, eine konstruktive Lösung herbeizuführen.

  • Um eine Familienaufstellung zu praktizieren, bedarf es eines fachkundigen Initiatoren:
  • also eines geschulten Fachmannes
  • zwanzig bis dreißig Seminarteilnehmer
  • eine angemessene Räumlichkeit 
  • und einen Aufsteller, also eine Person, die ein familiäres Problem klären möchte. Der psychologisch geschulte Mentor, der sich analytisch mit der Problemstellung des Aufstellers befasst, beobachtet die Interaktion der Stellvertreter genauestens und zieht daraus logische Schlüsse, die er in einem abschließenden Gespräch zusammenfasst.

Nun zum eigentlichen Handlungsablauf der Familienaufstellung in Einzelschritten

  1. Der Klient nennt ein aktuelles oder ein für ihn besonders belastendes familiäres Problem
  2. Diese Problematik trägt der Klient dem Therapeuten vor und in einem Vorgespräch werden die wichtigsten Punkte dieser Problematik herausgefunden
  3. Nach kurzer Analyse des Therapeuten wird entschieden, ob die Herkunfts- oder die Gegenwartsfamilie des Klienten aufgestellt wird. 
  4. Der Klient, der auch als Aufsteller bezeichnet wird und eine familiäre Problematik aufgreifen und lösen möchte, wählt nun unter den Seminarteilnehmern intuitiv Personen aus, die als Stellvertreter an die Stelle bestimmter Familienmitglieder treten.
  5. Die gewählten Stellvertreter werden nun vom Aufsteller nach Aspekten von Nähe und Distanz, Zuneigung oder Abneigung, vordergründig oder hintergründig positioniert. Die Stellvertreter stehen also, je nach Grad der Bindung sehr eng zusammen oder aber weiter auseinander bzw. im Abseits. Sie sind sich zu- oder abgewandt und nehmen je nach Wertschätzung sitzende oder stehende Positionen ein.
  6. Die Stellvertreter beginnen zunehmend zu interagieren und zwar erstaunlicherweise in Anlehnung an die wirklichen Familienmitglieder. 
  7. Ziel der Familienaufstellung ist es, dass jeder Stellvertreter einen Platz findet, an dem er sich wohlfühlt. Die gesamte Aufstellung läuft darauf hinaus, für jedes Mitglied den richtigen Platz und dementsprechend die beste Lebensqualität zu finden.

Kommentare