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Wie genau können Hochrechnungen sein?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:28
Am Abend einer Wahl sollen Hochrechnungen die Bürger darüber informieren, wie viele der abgegebenen Stimmen bereits für eine Partei vergeben wurden.

Am Abend einer Wahl sollen Hochrechnungen die Bürger darüber informieren, wie viele der abgegebenen Stimmen bereits für eine Partei vergeben wurden und wie ein möglicher Ausgang der Wahl aussehen kann. Aber wie funktionieren diese Rechnungen eigentlich und wie genau sind sie?

Bitte beachten

  • Hochrechnungen werden mittels einer Teilmenge der Gesamtstimmenzahl umgesetzt.
  • Je größer diese Teilmenge ist, desto genauer ist natürlich die Hochrechnung.
  • Hier gibt es FAQs zu Umfragen und Analysen.

Hochrechnungen im Detail betrachtet

Die Funktion der Hochrechnung:
Bei einer Hochrechnung werden nicht wie beim Endergebnis der Wahl bereits alle Stimmen ausgewertet, sondern lediglich eine Teilmenge. Das hat den Vorteil, das weniger Stimmen ausgezählt werden müssen, bevor man ein erstes Ergebnis liefern kann. Die Teilmenge der für eine erste Hochrechnungsdarstellung relevanten Stimmen wird dabei aus vorher ausgewählten repräsentativen Wahlkreisen bezogen. In Deutschland gibt es beispielsweise 80.000 Wahlkreise insgesamt, von denen 400 als repräsentative Wahlkreise angesehen werden. In diesem Zusammenhang bedeutet das, dass in einem bestimmten Wahlkreis wie zum Beispiel in Berlin ein bestimmtes Verhältnis von männlichen und weiblichen Wählern, verschiedenen Altersgruppen und Wählern mit einem Migrationshintergrund besteht.
Die ausgewerteten Stimmen aus diesen rund 400 Wahlkreisen werden dann an die Wahlstudios weitergereicht, die die Ergebnisse extrapolieren und grafisch umgesetzt, um darzustellen, wie die Stimmverteilung in den Wahlkreisen lag. Mit jedem weiteren Wahlkreis, der Ergebnisse liefert und mit jeder erneuten Zählung werden die Hochrechnungswerte genauer und nähern sich schließlich dem offiziellen Endergebnis immer weiter an.

Genauigkeit von Hochrechnungen:
Bereits die frühen Hochrechnungswerte sind ziemlich genau und unterscheiden sich oft nur in wenigen Prozent vom offiziellen Endergebnis. Um das zu gewährleisten, wurde aus den insgesamt 80.000 Wahlkreisen die 400 Wahlkreise im Vorfeld ausgesucht, die als repräsentative Stichprobe zur Hochrechnungserstellung dienen sollen. Aufgrund der Veränderung der Wahlkreise beispielsweise durch Ab- und Zuwanderungen der Bewohner stetig verändern, ist das Auswählen der richtigen Wahlkreise schwierig. Es dauert teilweise Monate, um eine geeignete Stichproben-Gruppe zu erstellen. Aber die sorgfältige Analyse der Kreise sorgt letztendlich dafür, dass bereits eine erste Hochrechnung eine sehr geringe Fehlerquote. Das beigefügte Video erklärt sehr anschaulich, wie die Fehlerquote durch die Anzahl der Stichproben gesenkt wird.
Allerdings kommt es immer wieder zu Schwankungen der Ergebnisse in den jeweiligen Wahlstudios. Das hängt davon ab, welches Studio aus welchen Wahlkreisen zuerst ihre Zahlen erhält. Wenn beispielsweise Sender A aus Wahlkreis 1,2 und 3 zuerst und Sender B dagegen aus Wahlkreis 5,6 und 7 die Werte der ausgezählten Stimmen bekommt und darauf die Hochrechnung aufbaut, unterscheiden sich die Zahlen teilweise um wenige Punkte. Im Laufe des Abends erhalten allerdings alle Wahlstudios auch die überarbeiteten Zahlen und können ihre Grafiken daran angleichen.

Mögliche Abweichungen und Sprünge:
Während die Ergebnisse für die großen Parteien auch in den Hochrechnungsdarstellungen oft sehr nah beieinander sind, kann es bei kleinen und neuen Parteien zu regelrechten Sprüngen in den frühen und späten Werten kommen. Die Ursache dafür kann allerdings nicht eindeutig geklärt werden. Die sogenannte Parteiverdrossenheit, bei der Wähler kein Vertrauen in die großen Parteien haben und ihre Stimme lieber einer kleinen oder neuen Partei geben, dürfte aber eine Rolle dabei spielen. Außerdem können kleine Parteien auch in einzelnen Wahlkreisen stärker vertreten sein, die aber nicht zu den repräsentativen Stichproben gehören, weshalb die für diese Parteien abgegebenen Stimmen erst später in die Hochrechnungsdiagramme miteinbezogen werden. Je weiter ein Wahlabend und die Auszählung der abgegebenen Wahlzettel aber fortschreitet, desto geringer werden die Sprünge und desto genauer werden die Hochrechnungen.insgesamt.

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