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Zölibatsdiskussion - Aktuelle Positionen

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Das Zölibat (vom lateinischen "Ehelosigkeit" abgeleitet) ist das Versprechen eines bestimmten kirchlichen Personenkreises, in Ehelosigkeit zu leben.
Es ist für Priester der römisch-katholischen Kirche, aber auch für Ordensfrauen und Ordensmänner, für Eremiten, für geweihte Jungfrauen und für Diakonissen der orthodoxen Kirche, der anglikanischen Kirche und der evangelischen Kirche bis heute üblich. 

Bis heute unter Strafe

  • Bereits in der gesamten Kirchengeschichte wurde die Bedeutung des Zölibates als charismatisches Zeichen kontrovers und heftig diskutiert. Obwohl das allgemeine Kirchenrecht für den Bruch der freiwilligen Zölibatsverpflichtung, was bis in jüngste Zeit selbst durch Bischöfe immer wieder vorkommt, keine Strafe explizit benennt, sind Suspension und die sogenannte Laisierung, also die Entlassung aus dem Priesterstand, häufig die als Automatismen eintretenden Sanktionen. 

Moderne Zölibatsdiskussionen

  • Bereits 1970 hatten katholische Würdenträger in Deutschland eine Zölibatsdiskussion angeregt, indem sie die Bischöfe baten, die Notwendigkeit des Zölibates der Priester zu prüfen. Später wurde beispielsweise auf der von 1971 bis 1975 stattfindenden Würzburger Synode (Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland) eine Zölibatsdiskussion geführt. 
  • Diese Gremien erarbeiteten zwar Erklärungen und Vorschläge, praktisch änderte sich jedoch nichts. Die aktuelle Zölibatsdiskussion dreht sich nicht mehr direkt um das Zölibat, sondern um die Frage, ob das Zölibat die Ursache des latenten Priestermangels in der Kurie sei. Es wird versucht, den Priestermangel als Ausgangspunkt für die Überarbeitung des Zölibates zu stilisieren.
  • Ein Bemühen, das vom Vatikan bisher strikt abgeschmettert wurde. Obwohl inhaltlich kein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen nachweisbar ist, befeuern derartige Fälle in der Bundesrepublik seit 2008 die Zölibatsdiskussion erneut. Die Verantwortung für Missbrauch sollte jedoch nicht bei der Kirche als Institution, sondern bei den Tätern gesucht werden. 
  • So forderten mehrere Bischöfe und der Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken 2011 die Zulassung von verheirateten Priestern neben den unverheirateten Priestern in der katholischen Kirche. Eine Forderung, die auf Zustimmung, zugleich aber auch auf massive Ablehnung stieß. In den katholischen Priesterseminaren der Vereinigten Staaten wird seit 1992 der Thematik "Leben als Priester mit dem Zölibat" sowohl thematisch, wie auch zeitlich, ein deutlich erhöhter Stellenwert eingeräumt. Eine Maßnahme, die durch die Betroffenen, wie auch durch die römisch-katholische Kirche, als hilfreich und sinnvoll bewertet wird.

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