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Zweiter Demographischer Übergang? - Die Erklärung

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:19
Doch was verbirgt sich hinter dem Phänomen, unter dem auch Deutschland in Zukunft zu leiden haben

Die meisten Industrieländer befinden sich mitten in einer Phase der Bevölkerungsentwicklung, die man als zweiten demographischen Übergang bezeichnet. Doch was verbirgt sich hinter dem Phänomen, unter dem auch Deutschland in Zukunft zu leiden haben wird?

Die wichtigsten Fakten

Worin besteht der zweite demographische Übergang?

  • Vereinfacht gesagt beschreibt der zweite demographische Übergang die Entwicklung der Bevölkerungszahlen in den meisten Industrieländern, in Europa vor allem nach dem zweiten Weltkrieg: Es werden weniger Kinder geboren und in der Folge altert die Bevölkerung. Des Weiteren bekommen Frauen ihr erstes Kind immer später und geheiratet wird, wenn überhaupt, in einem wesentlich höheren Alter als noch vor einigen Jahren.

Der Wandel und seine Ursachen in Deutschland

  • Es gibt diverse Gründe für den zweiten demographischen Übergang, aber im Kern lässt er sich auf zwei Ursachen zurückführen: Durch die Verbreitung neuer Verhütungsmethoden wurden weniger Frauen unbeabsichtigt schwanger, und durch die Emanzipation der Frau und den daraus resultierenden Wunsch nach beruflicher Karriere bekommen Frauen in Deutschland heute im Schnitt nur noch 1,39 Kinder während ihres Lebens, und das auch deutlich später als noch vor wenigen Jahren.
  • Um die Bevölkerung über längere Zeit konstant zu halten, müssten es mindestens 2,1 Kinder sein - Auf lange Sicht wird es somit immer weniger Kinder und immer mehr alte Leute geben, und das bringt einige Probleme mit sich.

Die Folge für die Gesellschaft

  • Mit einer erheblichen Konsequenz des zweiten demografischen Übergangs sind wir in Deutschland schon heute konfrontiert: Unser Sozialversicherungssystem basiert auf dem sogenannten "Generationenvertrag", der festlegt, dass unsere Eltern für uns bezahlen, bis wir erwachsen sind, und dass wir im Gegenzug ihr Auskommen im Alter sicherstellen. Konkret heißt das, dass unsere Eltern uns aufziehen, und wenn wir selbst berufstätig sind und unsere Eltern in Rente gehen, sind wir über unsere Sozialversicherungsabgaben diejenigen, die ihre Rente finanzieren.
  • Das System beruht also darauf, dass es immer in etwa gleich viele Arbeitende wie Alte gibt, doch durch die Alterung der Gesellschaft herrscht ein Mangel an Nachkommen und es gibt nicht genügend Verdiener, die für die Rente aufkommen könnten. In der Folge wird die Rente gekürzt und die Abgaben steigen für die Arbeitenden trotzdem weiter. Auf lange Sicht wird dieses System im schlimmsten Falle nicht mehr alle Rentner versorgen können und die heute schon teilweise beobachtete Altersarmut wird noch größere Ausmaße annehmen.
  • Diese Aussichten sind der wesentliche Grund dafür, dass heute immer mehr Menschen schon in jungen Jahren während ihrer Arbeitstätigkeit privat für ihre Rente vorsorgen. Sie befürchten, im Alter sonst nicht mehr von der staatlichen Rente leben zu können.
  • Aber so bedrohlich dieses Szenario auch wirkt, theoretisch ist die Lösung ja ganz einfach: Jede Familie bekommt einfach immer zwei bis drei Kinder und alles ist in Butter. Nicht umsonst wirbt der Staat intensiv mit Kita-Plätzen und Firmen bieten Kinderbetreuung an - das kann aber nur klappen, wenn sich die Überzeugung, eine Familie zu gründen, flächendeckend durchsetzt. Sonst wird Deutschland wohl über kurz oder lang zu einem Altenheim mit gut 80 Millionen Einwohnern.

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