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Der Konkursantrag in Österreich: Voraussetzungen und Ablauf

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:34
Um in Österreich einen Konkursantrag zu stellen, sind einige Voraussetzungen zwingend notwendig.

Gerät ein Unternehmen oder eine Privatperson in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten, kann es rechtlich und faktisch geboten sein, ein Konkursverfahren durchzuführen. Neben der gleichmäßigen Befriedigung der Gläubiger kann es dabei im Konkursverfahren auch darum gehen, das Unternehmen zu sanieren oder in Verwertungsabsicht zu liquidieren. Neben dem Konkurs stellt das Insolvenzrecht dafür noch weitere Instrumente und Verfahren zur Verfügung. Für Privatpersonen ist das für sie vorgesehene, spezielle Verfahren mit der Möglichkeit der Restschuldbefreiuung oft die einzige Möglichkeit, sich mittelfristig eine schuldenfreie, wirtschaftliche Perspektive zu verschaffen. Auch Gläubiger können ein Interesse daran haben, ein Konkursverfahren zu veranlassen, um so eventuell zumindest Teile ihrer Forderungen zu sichern. Grundsätzlich gilt, dass es ohne einen wirksamen, begründeten Konkursantrag kein Konkursverfahren geben kann und diesem daher besondere Bedeutung zukommt. Um in Österreich einen Konkursantrag zu stellen, sind einige Voraussetzungen zwingend notwendig. Weiterhin schreibt das Insolvenzrecht den Ablauf bestimmter Schritte vor, die in ein Konkursverfahren oder in dessen Ablehnung einmünden.

Voraussetzungen des erfolgreichen Konkursantrages in Österreich

  • Es muss Zahlungsunfähigkeit vorliegen. Dies bedeutet im Gegensatz zur Zahlungsstockung, dass Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können und keine begründete Hoffnung mehr besteht, innerhalb von 60 Tagen diese Zahlungsschwierigkeiten beheben zu können. Wurden bereits alle Zahlungen eingestellt, ist das ein starkes Indiz für das Bestehen der Zahlungsunfähigkeit.
  • Über Handelsgesellschaften ohne persönlich haftende Gesellschafter, über juristische Personen und über Verlassenschaften findet ein Konkursverfahren auch bei Überschuldung statt. Überschuldung heißt, dass die Verbindlichkeiten des Unternehmens in der Bilanz höher sind als das Vermögen.
  • Der Schuldner als Antragssteller hat zu beachten, dass der Konkursantrag innerhalb von 60 Tagen zu stellen ist, um eine weitergehende persönliche Haftung zu vermeiden. Ein Gläubiger muss bei einem Konkursantrag glaubhaft machen, dass er eine Konkursforderung hat und der Schuldner zahlungsunfähig ist. Der Gläubiger hat bei Antragsstellung ferner 35 EUR Gebühren zu entrichten. Wichtig ist auch, dass das zuständige Gericht mit dem Antrag befasst wird. Zuständig ist das Landesgericht, in dessen Bezirk der Mittelpunkt der wirtschaftlichen Betätigung des Schuldners liegt. Bei Privatpersonen ist das Bezirksgericht zuständig, in dessen Bezirk der private Schuldner seinen Wohnsitz hat. Für die Eröffnung eines Konkursverfahrens muss außerdem ein zumindest die Verfahrenskosten deckendes Vermögen vorhanden sein.

 

Die einzelnen Schritte des Konkursverfahrens in groben Zügen

  • Konkursantrag bei Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung durch Schuldner oder Gläubiger.
  • Zuständiges Gericht prüft Voraussetzungen und besonders Deckung der Verfahrenskosten.
  • Das Gericht eröffnet das Konkursverfahren oder weist den Antrag ab.
  • Die Möglichkeit anderer Verfahren wird auch geprüft - etwa Ausgleichsverfahren.
  • Bei Konkursverfahren-Eröffnung wird ein Masseverwalter bestellt.
  • Es werden Vermögenssicherungsmaßnahmen zum Erhalt der Konkursmasse angeordnet.
  • Masseverwalter führt das praktische Verfahren durch.
  • Nach Abschluss des Verfahren hebt das Gericht das Verfahren auf.

Für weitere Einzelheiten sollten sich Betroffene fachkundige Beratung einholen.

Das Schuldenregulierungsverfahren für Privatpersonen

  • Auch bei der Privatperson als Schuldner beginnt das spezielle Konkursverfahren
  • Schuldenregulierungsverfahren - mit einem wirksamen Konkursantrag. Das Verfahren hat einige Besonderheiten.
  • Gerade auch im Schuldenregulierungsverfahren empfiehlt sich daher weitergehende Beratung.

 

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