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Erbschein beantragen? - So geht´s

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:21
Nach dem Tod eines nahestehenden Menschen sind viele rechtliche Dinge zu regeln.
Auch wenn Du Dich jetzt lieber verkriechen würdest, musst Du Dich zügig um den Nachlass kümmern und den Erbschein beantragen. Denn damit weißt Du Dich als rechtmäßigen Erben aus. Unabhängig davon, ob Du möglichst bald über Dein Erbe verfügen möchtest, im Todesfall sind wichtige Dinge zu erledigen, für deren Abwicklung Du den Erbschein benötigst. Es könnten Situationen auftreten, in denen es Zweifel daran gibt, ob Du Erbe geworden bist. Für Außenstehende, z.B. Banken, Versicherungen oder auch mögliche Miterben ist ja nicht ohne weiteres erkennbar, ob die gesetzliche Erbfolge eintritt. Es könnte genauso gut sein, dass noch andere Personen im Testament begünstigt wurden. Der Erbschein hilft Dir in solchen Situationen bei der Durchsetzung Deiner Rechte. Er ermöglicht Dir, über das ererbte Vermögen zu verfügen. Bei größeren oder komplizierten Erbschaften solltest aber in jedem Fall einen Fachanwalt zu Rate ziehen, bevor Du den Erbschein beantragst.

Wie kannst Du einen Erbschein beantragen?

  • Der Erbschein ist ein amtliches Zeugnis des Nachlassgerichtes.
  • Du musst deshalb beim Nachlassgericht (Amtsgericht) den Erbschein beantragen.

Einen Erbschein beantragen

1. Zuständigkeit:

  • Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der oder die Verstorbene einen Wohnsitz hatte.
  • Gab es keinen Wohnsitz, wird der letzte Aufenthaltsort als Bestimmungsort angesehen.
  • Bei Deutschen, die im Ausland gestorben sind und im Inland über keinen Wohnsitz verfügten, ist das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.


2. Welche Art Erbschein möchtest Du Dir ausstellen lassen?

  • Erbschein für den Alleinerben
  • einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragen, in dem die jeweiligen Anteile angegeben sind
  • einen Teilerbschein, den jeder Erbe einzeln beantragen kann
  • ein gegenständlich beschränkter Erbschein für das in Deutschland belegene Vermögen,
  • wenn zum Nachlass auch Auslandsvermögen gehört


3. Beweise dem Gericht die Tatsachen, die Dein Erbrecht begründen!

  • Wenn Du gesetzlicher Erbe aufgrund der gesetzlichen Erbfolge bist und kein Testament oder Erbvertrag vorhanden ist, musst Du Dich mit Deinem Personalausweis ausweisen und Folgendes angeben:
  • die Todeszeit, (Sterbeurkunde vorlegen)
  • das Verhältnis, auf dem Dein Erbrecht beruht. Dies machst Du mit einer
  • Personenstandsurkunde, die das Standesamt erteilt, z.B. Eheurkunde, Geburtsurkunde,
  • oder Partnerschaftsurkunde
  • den Güterstand, falls Du mit dem Verstorbenen verheiratet warst oder in einer
  • Lebenspartnerschaft gelebt hast
  • Außerdem musst Du angeben, ob:
  • Personen vorhanden sind, die Dein Erbrecht mindern oder Dich von der Erbfolge
  • ausschließen, also neben Dir als gesetzliche Erben in Betracht kommenes Deines Wissens ein Testament oder einen Erbvertrag gibt
  • ein Prozess über das Erbrecht anhängig ist


Falls Du in einem Testament oder Erbvertrag als Erbe eingesetzt bist, musst Du:

  • das Testament oder den Erbschein vorlegen
  • die Sterbeurkunde vorlegen
  • Auskunft geben, ob andere Verfügungen von Todes wegen vorliegen
  • Angeben, ob über das Erbrecht ein Prozess vor Gericht anhängig ist


Das Gericht prüft dann, ob alle von Dir gemachten Angaben richtig sind. Deine Angaben wirst Du durch eine eidesstattliche Versicherung absichern müssen.
Im besten Fall wird Dir jetzt Dein Erbschein ausgestellt und Du giltst ab sofort als rechtmäßiger Erbe. Jetzt kannst Du nur noch darauf hoffen, dass sich kein späteres Testament findet, das die Erbfolge anders festlegt, als im Erbschein angegeben. Denn in diesem Fall werden die neuen Erben verhindern, dass Du weiter über das Erbe verfügen kannst und die Einziehung des unrichtigen Erbscheins erwirken.

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