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Letztes Update am 11.02.2015, 08:54
Der starke Kursanstieg des Schweizer Franken bereitet vor allem Häuslbauern Sorge.

Österreichweit sind zwischen 22 und 29,5 Milliarden Euro an Frankenkrediten aushaftend. Bei durchschnittlich 100.000 Euro pro Kredit sind laut Expertenschätzungen mindestens 220.000 Österreicher von schlagartigen Teuerungen betroffen.

 

Die eigenen vier Wände, mit den eigenen Händen erbaut, mit Garten und vielleicht sogar einem netten Zaun rund herum: Den Traum vom Haus wollen sich viele nur allzu gerne erfüllen. Für rund 220.000 Österreicher, die sich genau diesen Wunsch über Frankenkredite finanziert haben, wird er nun zur Existenzfrage.

Im Westen besonders betroffen

Die höchste Dichte an vergebenen Frankenkrediten weisen Vorarlberg und Tirol auf. Generell wurde das aushaftende Volumen zwar seit dem Verbot von Fremdwährungskrediten für Private im Jahr 2008 um 45 Prozent eingedämmt, betroffen sind nun aber vor allem jene Häuslbauer, die ihren Kredit in den Jahren von 1999 bis zu diesem Verbot aufgenommen haben. Laut s-Bausparkasse-Chef Josef Schmidinger hätten diese Häuser mittlerweile bereits wieder an Wert verloren. „Wenn der Franken um ein Prozent aufwertet, dann ist das kein Thema. Aber wenn es größere Schwankungen gibt, dann kann es natürlich wieder zu Bewertungsthemen bei den Häusern kommen“, erklärt der Fachmann.

 

Kreditrückzahlungen 2015

Besonders Personen, die noch heuer einen solchen Kredit zurückzahlen müssen, empfiehlt der Jurist Peter Hirmke vom Verein für Konsumenteninformation, ein Beratungsgespräch bei der Bank zu vereinbaren. Laut Finanzmarktaufsicht (FMA) wird das in diesem Jahr auf rund 6.000 Haushalte zutreffen. Im Schnitt werden sie für ihren Fremdwährungskredit in Schweizer Franken durchschnittlich 33.000 Euro mehr an Rückzahlungen leisten müssen, als das ohne der Aufwertung Mitte Jänner der Fall gewesen wäre. „Bei all den anderen Krediten, die noch laufen, kommt es darauf an. Wenn der Kurs so dramatisch bleibt, bekommen auch die Probleme. Das lässt sich heute aber nicht vorhersehen“, so Hirmke.

Wie sich der Wechselkurs in naher Zukunft einstellen wird, bleibt vorerst abzuwarten. Letztendlich bekommen aber vor allem Häuslbauer die enormen Auswirkungen auf ihre Geldbörse zu spüren. Dass der FMA-Vorstand Hermut Ettl die Vergabe von Frankenkrediten an private Haushalte erst kürzlich als „kein Ruhmesblatt“ bezeichnete, kommt also nicht von ungefähr. „Alle Warnungen haben nichts gefruchtet“, bedauert er.