Drucken
Letztes Update am 11.02.2015, 09:39
Einerseits schmerzt die Aufwertung viele Kreditnehmer, andererseits gibt es Profiteure.

Zwischen 80 und 83 Cent war ein Schweizer Franken über Jahre hinweg wert. Seit der Frankenfreigabe am 15. Jänner muss für einen Franken fast ein Euro bezahlt werden – damit ist er um ein Fünftel teurer geworden. Dieser Umstand bereitet vielen Sorgen, andere wiederum stehen nach der Aktion der Schweizerischen Nationalbank als lachende Gewinner da.

 

„Der Einkaufstourismus wird zunehmen“, erklärt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Ein Umstand, von dem Österreich und auch andere Nachbarländer profitieren: In Grenzgebieten wie etwa Vorarlberg dürfen sich Händler wohl vermehrt über Schweizer Konsumenten freuen, die ihre Einkäufe in nächster Zeit, wenn möglich, eher außerhalb der eigenen Landesgrenzen tätigen werden.

Des einen Freud‘…

Die Hände reiben können sich auch Österreicher, Deutsche, Franzosen oder Italiener, die täglich in die Schweiz zur Arbeit pendeln. Sofern sie in Schweizer Franken bezahlt werden, haben sie über Nacht eine saftige Gehaltserhöhung bekommen. Touristiker, vor allem im Vorarlberger Ländle, dürfen sich über steigende Auslastungen durch Schweizer Gäste freuen. Trotz dieser scheinbar guten Nachricht fürchtet man auch hier gewisse Risiken, die sich vor allem daraus ergeben, dass auch Vorarlberger Gastwirtschaften unter den Frankenkreditnehmern sind. „Wir müssen abwarten, wie sich das auf die Betriebe auswirkt“, meint dazu Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung.

 

In die Frankenfalle getappt

 

Etwas deutlicher und umfangreicher fallen hingegen die negativen Auswirkungen der Frankenaufwertung aus. Nach Angaben des Banken-Sprechers Wilfried Hopfner sind die Schulden der Kreditnehmer quasi über Nacht um 15 Prozent gewachsen. Häuslbauer, deren Kredit noch dieses Jahr ausläuft, müssen unter anderem über eine Konvertierung des Kredites in Euro nachdenken – was ihre Schulden wiederum erhöhen würde. „Den einen oder anderen kann es hart treffen“, prognostiziert Hopfner. Auch beliebte Schweizer Produkte wie etwa Schokolade, Käse oder Uhren werden durch die Freigabe künftig deutlich teurer werden, ein Urlaub in der Schweiz galt schon jetzt als sehr exklusives Erlebnis und wird in nächster Zeit beinahe unerschwinglich werden.

Der enorm überraschende Schritt der Frankenaufwertung scheint in erster Linie Verlierer aus dem Kredit-Rennen zu schicken. Neben dem Schweizer Handel und Tourismus sind es im Ausland vor allem private Haushalte, die in Zukunft mit einer deutlich höheren Schuldenlast zu kämpfen haben werden. Für sie gilt es nun, gemeinsam mit Bankberatern Schadensbegrenzung zu betreiben.