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Letztes Update am 11.02.2015, 10:29
Durch die Teuerung des Franken können Darlehen eventuell nicht zurückbezahlt werden.

Aufgrund der überraschenden Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) gewann der Franken rund 14 Prozent an Wert. Alleine in Österreich sind laut Finanzmarktaufsicht (FMA) knappe 30 Milliarden Euro an Frankenkrediten ausständig.

 

Einst wegen günstiger Zinsen sehr gefragt, bereitet die Schweizer Währung heute vielen Europäern Kopfschmerzen. Dabei gab es schon vor einiger Zeit Probleme mit dem vermeintlich sicheren Zahlungsmittel: Bereits im Zuge der Euro-Krise gewann der Franken deutlich an Wert, woraufhin die österreichische Finanzaufsicht derartige Darlehen für private Haushalte verbot. Schon damals versuchten viele Bankhäuser, ihre Kunden von einer Umwandlung ihrer Kredite in Euro zu überzeugen.

Höhenflug und tiefer Fall

Durch die Kehrtwende der SNB Mitte Jänner dieses Jahres setzt der Schweizer Franken seinen Höhenflug nun weiter fort. Viele Bankkunden – darunter nach Schätzungen des Finanzexperten Josef Schmidinger rund 200.000 Österreicher – werden durch eben diese Wertsteigerung voraussichtlich große Probleme haben, ihren Frankenkredit auch zurückzahlen zu können. Bankinstituten drohen daher mittelfristig Ausfälle der Darlehen, oder „faule Kredite“, wie man diesen Umstand im Fachjargon bezeichnet. Zwar wird ein großer Teil dieser Beträge erst in einigen Jahren fällig, immerhin werden heuer laut FMA aber bereits 6.000 Privatpersonen ihre Geldbörse für die Rückzahlung öffnen müssen.

 

Europaweite Sorge

Aber nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa sind Geldinstitute und nicht zuletzt natürlich auch Kreditnehmer über das Ausfallsrisiko durch die Frankenfreigabe beunruhigt. Als „extrem schlechte Nachricht für Fremdwährungskreditnehmer in Zentraleuropa, Polen und Ungarn“ bezeichnet auch der Ökonom Michal Dybula die Entscheidung der SNB. „Sie macht die Rückzahlung von Schweizer-Frankenkrediten teurer, verringert das zur Verfügung stehende Einkommen und bremst den Konsum. Das sind schlechte Nachrichten für das Wachstum und den Bankensektor, weil sich der Anteil der faulen Frankenkredite wahrscheinlich erhöht“, erklärt er.

Angesichts dieser Einschätzung stellt sich die Frage, warum die SNB diesen ungewöhnlichen und unerwarteten Schritt der Frankenaufwertung getan hat – denn das Ausfallsrisiko durch faule Kredite wird letztendlich auch vielen Banken zu schaffen machen. Für sie gilt es in nächster Zeit daher vor allem, jenen Kreditnehmern aus der Patsche zu helfen, die schon heuer ihre Frankendarlehen abzahlen müssen.