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Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften - Was hat es damit auf sich?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Der sogenannte Schattenfinanzindex (FSI) wurde im Jahre 2009 erstmalig vom Tax Justice Network (TJN), einer internationalen Nicht-Regierungsorganisation

Der sogenannte Schattenfinanzindex (FSI) wurde im Jahre 2009 erstmalig vom Tax Justice Network (TJN), einer internationalen Nicht-Regierungsorganisation, die sich für globale Steuergerechtigkeit einsetzt, veröffentlicht. Der Schattenfinanzindex, auch Financial Secrecy Index, kurz FSI genannt, benennt Steueroasen, also Staaten oder Gebiete mit keinen oder niedrigen Steuern auf Einkommen und Vermögen. Im Jahre 2011 benannte der Schattenfinanzindex insgesamt 73 Länder der Welt. Auf dieser Liste steht die Schweiz an erster Stelle, die Bundesrepublik Deutschland an neunter und Österreich an vierzehnter Stelle der bedeutendsten Schattenfinanzstaaten der Erde. Um den jeweiligen Anteil eines Landes an der globalen Schattenfinanzwirtschaft zu ermitteln, kombiniert der FSI dabei zwei Arten von Daten.

Der Geheimhaltungswert des FSI

Eine wesentliche Datenquelle ist der Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften. Der Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften drückt dabei die Größe des potentiellen wirtschaftlichen Schadens aus, der der Weltwirtschaft durch finanzwirtschaftliche Regulierungs- und Gesetzeslücken und Geheimhaltungspraktiken in einem entsprechenden Staat entsteht. Je größer der Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften, desto größer ist das Schadenspotential des betreffenden Staates für die Weltwirtschaft, der sogenannte FSI-Wert, desto höher sein Rang auf der Liste des Schattenfinanzindex. Der Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften wird auf der Basis aller Gesetze, Regulierungen und internationalen Abkommen eines Staates ermittelt, die geeignet sind, um die finanziellen Aktivitäten und Anlagen ausländischer Investoren im Lande zu verschleiern. Ferner werden die Informationen ausgewertet, die die Behörden des jeweiligen Landes über ausländische Investoren veröffentlichen und die Effektivität von landestypischen Mechanismen zur Bekämpfung der Geldwäsche wird bewertet. Auch fließen in den Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften Untersuchungen zum jeweiligen Bankgeheimnis ein. Generell gilt: je höher der Geheimhaltungswert bei Schattenfinanzwirtschaften, desto attraktiver ist das betreffende Land für die Anlage und Schleusung illegaler Finanzmittel.

Die 15 Indikatoren des Geheimhaltungswertes des FSI

Um den Geheimhaltungswert zu klassifizieren werden konkret 15 Indikatoren untersucht. So wird beispielsweise das gesetzliche Bankgeheimnis hinterfragt, ebenso die Zugänglichkeit von Trust- und Stiftungs-Registern sowie die Bekanntheit der Eigentumsverhältnisse und der Jahresabschlüsse von Unternehmen, insbesondere von börsennotierten Unternehmen. Untersucht wird die Publikation der jährlichen Dividendenzahlungen und eventueller Steuergutschriften der Finanzbehörden an die Unternehmen sowie die Beteiligung des jeweiligen Landes an den international üblichen Standards und Regularien zur Bekämpfung von Aktivitäten der Geldwäsche und die diesbezügliche Kooperationsbereitschaft mit anderen Staaten.

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