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Grundsicherung in Deutschland - Was ist das?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:08
Die Grundsicherung können nur anspruchsberechtigte Menschen erhalten.

Der Begriff „Grundsicherung“ bezeichnet eine aus Steuergeldern finanzierte Sozialleistung – zum einen für Arbeitsuchende (dazu gehören das Arbeitslosengeld II sowie für nichterwerbstätige Kinder oder Partner das sogenannte Sozialgeld – beides meist als „Hartz IV“ bezeichnet), zum anderen die Unterstützung zum Lebensunterhalt, die Absicherung bei Erwerbsminderung sowie im Alter.

Aufgabe der Grundsicherung ist die finanzielle Hilfe, wenn die monatlichen Einkünfte nicht ausreichen, um die notwendigsten Dinge zu bezahlen (Lebensmittel, Miete, Energiekosten).

  • Die Grundsicherung können nur anspruchsberechtigte Menschen erhalten, wenn sie mindestens 18 oder über 65 Jahre alt, dauerhaft voll erwerbsgemindert sind und dadurch ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können.
  • Die Grundsicherung ist nicht dasselbe wie die Sozialhilfe. Der Antrag wird zwar ähnlich gestellt und die Berechnungsgrundlagen entsprechen sich beinahe – aber es gibt einige Verbesserungen:
    - Bis zu einem Einkommen von 100.000 Euro der Eltern oder Kinder sind deren Einkünfte nicht relevant für die Berechnung und können auch nicht angegriffen werden,
    - es gibt keine Sachleistungen oder Wertgutscheine, sondern immer finanzielle Absicherung,
    - die Erben müssen das erhaltene Geld nicht wieder zurück zahlen.
  • Die Leistungen können nicht vergeben werden, wenn Eltern oder Kinder jährlich mehr als 100.000 Euro verdienen, oder der Antragsteller vorsätzlich bedürftig geworden ist.
  • Die Grundsicherung wird meist nur für ein Jahr bewilligt und muss danach wieder neu beantragt bzw. geprüft werden.

Der Antrag auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung muss von Ihnen und Ihrem Partner gestellt werden:

   1. Angaben zu den persönlichen Verhältnissen

   2. Unterhalt

   3. Fragen zur Bedarfsfeststellung

   3.1 Monatliche Kosten der Unterkunft

   3.2 Heizkosten

   3.3 Haus-/Wohnungseigentum (Kosten und Belastungen)

   3.4 Mehrbedarf (Schwerbehindert, schwanger, allein erziehend ...)

   3.5 Kranken- / Pflegeversicherung

   3.6 Zusatzbedarf (Hilfe im Haushalt notwendig)

   3.7 Einmaliger Bedarf (z.B. Erstausstattung für die Wohnung o.ä.)

   3.8 Besonderer Bedarf (Darlehen für Mietrückstände oder besondere Notlagen)

   4. Einkommen - ggf. Einkommensnachweise der letzten 12 Monate
       Steuerbescheid, Rentenbescheid, Kindergeldbescheid, Gehaltsbescheinigung

   5. Vom Einkommen evtl. absetzbare Beträge und Ausgaben

   6. Bargeld, Guthaben (z.B. Spar- und Girokonten) und sonstiges Vermögen

   7. Vermögensübertragungen

   8. Ermittlung eines eventuell kostenerstattungspflichtigen Trägers

Grundsicherung in Deutschland

  • Bevor Sie den Antrag stellen, sollten Sie möglichst sicher gehen, ob Sie überhaupt Anspruch auf die Grundsicherung haben könnten.
    Voraussetzungen:
    - Sie sind 65 Jahre und älter
    - Sie sind über 18 Jahre alt und voll erwerbsgemindert
    - Sie sind in Deutschland gemeldet
    - Ihre Einkünfte bzw. Ihr Vermögen (sowie Einkünfte und Vermögen des Partners) sind zu niedrig, um Ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können
  •  Stellen Sie den Antrag auf Leistungen der Grundsicherung (s. „Dinge die benötigt werden“) bei Ihrem örtlichen Grundsicherungsamt. Alternativ können Sie den Antrag auch bei Ihrer Rentenversicherung stellen, die aber nicht darüber entscheidet, sondern diesen zum zuständigen Amt weiter leitet.
  •  Weitere Informationen und Hilfe beim Ausfüllen des Antrags erhalten Sie von Ihrer SoVD-Beratungsstelle (Sozialverband Deutschland), annähernd gute Berechnungsprogramme für Ihren Anspruch auf Grundsicherung finden Sie im Internet, doch hundertprozentig richtig sind sie kaum. Vorsicht ist geboten!
  •  Die Grundsicherung wird „bedarfsorientiert“ errechnet, d.h. bei Antragstellung wird das Einkommen den monatlichen Kosten zum Leben entgegen gesetzt – und mit finanzieller Hilfe der Verdienst aufgestockt. Daher ist die Höhe der Grundsicherung bei jedem anders. Außerdem sind die Regelsätze der Grundsicherung von einem zum anderen Bundesland unterschiedlich.
  •  Falls Ihre Rente niedriger ist als 853 Euro, dann bekommen Sie im Normalfall automatisch ein Antragsformular zur Leistung der Grundsicherung zugeschickt, was aber nicht bedeutet, dass Sie auch tatsächlich einen Anspruch haben! Lassen Sie sich vom Sozialverband oder direkt von Mitarbeitern des Grundsicherungsamtes beraten.

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