Foto: Shutterstock.com / Kapitalismus heißt nicht direkt freie Marktwirtschaft...

Kapitalismus, freie Marktwirtschaft und das Kapital

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Unter diesem Begriff wird eine vom Privatunternehmertum gesteuerte und gelenkte Wirtschaftsordnung verstanden.

Unter diesem Begriff wird eine vom Privatunternehmertum gesteuerte und gelenkte Wirtschaftsordnung verstanden, in der der Privatbesitz von Kapital ausschlaggebend ist. Dabei gelten sowohl Zahlungsmittel (Geldscheine, Münzen, Buchgeld) als auch Produktionsmittel (Maschinen, Werkstätten, Fabriken) als Kapital. Der Kapitalismus wird häufig dem Kommunismus gegenübergestellt. Während die Supermächte Russland und China nach dem Zweiten Weltkrieg den Kommunismus in ihre Wirtschaftspolitik integrierten, hatte sich im Westen durch das angelsächsische Unternehmertum Großbritanniens und der USA eine kapitalistisch geprägte Gesellschaftsordnung etabliert. Inzwischen weichen die kommunistischen Züge der russischen und chinesischen Wirtschaft zunehmend kapitalistischen. 

Kapitalismus-Facts

  • Das Kapital aus sich selbst heraus vermehrbar sein (durch den Zins einer Anlage, Vermietung, Geldverleihung, Tagesgeldkontoführung etc.): Kapitalismus ist streng genommen nicht gleich freie Marktwirtschaft, sondern verkörpert vielmehr eine gewisse Umgangsform mit deren Zahlungsmitteln. 
  • Die ersten kapitalistischen Anfänge werden oft in der Zeit der Hanse verortet: Durch Aufhebung des Zinsverbots wurde es plötzlich lukrativ, nicht nur mit Gütern, sondern mit Geld selbst zu handeln. Eine damit einhergehende Verselbstständigung des Geldes führte zum Aufstieg wohlhabender Kaufmannsfamilien, dessen Schuldner oft Fürsten und Könige waren.
  • In seinem Werk Der Wohlstand der Nationen verband Adam Smith kapitalistische Praxen mit marktwirtschaftlichen Vorgängen: In seinem Buch beschrieb Smith die Wirkung einer "unsichtbaren Hand", einer selbstregulierenden Kraft des Marktes und arbeitete somit eine wichtige Theoriegrundlage späterer neoliberaler Schulen heraus.
  • Als größter Kritiker der kapitalistischen Wirtschaftsform gilt der Philosoph Karl Marx: Marx betrachtet das Kapital als Sachgut, das an innerem Wert nicht abnehmen kann, während andere Theorien es als bloßen Marktzustand begreifen, dessen Wert variabel ist und sogar ins Minus geraten kann. Marxens Fokus richtet sich vielmehr auf das Sachkapital (Produktionsmittel, Maschinenen, Fabriken). 
  • Die kapitalistische Wirtschaftspraxis gerät heute immer mehr in die Kritik: Nach der Subprime-Krise in den USA und der daraus folgenden Weltwirtschaftskrise sind zahlreiche kritische Bewegungen wie die "Occupy Wallstreet" entstanden. Der Einfluss privater Geldinstitute auf die öffentliche Politik wird zunehmend thematisiert und mit nichtkapitalistischen (unverzinslichen) Regionalwährungen experimentiert. 

Freie Marktwirtschaft?

Während Anhänger der klassischen Nationalökonomie wie Adam Smith (Wohlstand der Nationen) den Kapitalismus einer freien Marktwirtschaft gleichsetzen, sehen andere Ökonomen wie Silvio Gesell (Die neue Lehre von Geld und Zins) einen großen Unterschied zwischen den beiden. Dieser bestehe im Fokus der jeweiligen Systeme: Der Hauptfokus des Kapitalismus sei die Anhäufung und exponentielle Selbstvermehrung des Kapitals durch das Kapital. Dies werde durch den Zinseszins erst ermöglicht. Der Austausch von Gütern im Kapitalismus dient demzufolge nur noch dazu, mehr Kapital anzuhäufen, um sich zunehmend ein leistungsloses Einkommen durch Zinseinkünfte (leistungslose Geldvermehrung) zu sichern. Somit sei der Zweck das Kapital selbst, der Güteraustausch lediglich ein Mittel. 

Der Zweck einer freien Marktwirtschaft hingegen liege einzig und allein im Güteraustausch, wobei das Kapital als unvermehrbarer rechtlicher Anspruch auf Güter gegen Leistung gelte. Es bleibe lediglich ein Mittel. 


Während Smith dem Kapitalismus eine positive Wirkung zuschrieb, sahen Ökonomen wie Gesell eine eher negative Wirkung in ihm: Die ständige leistungslose Selsbtvermehrung gehorteten Kapitals führe zu einem immer größeren Geldmengenbedarf. Dies führe letztendlich zu einem Anstieg der Güternachfrage (der Zahlungsmittel) bei gleichbleibendem Bedarf, was somit eine Verteuerung zur Folge habe. Um diesem Effekt zu entgehen, sei es nötig, immer mehr zu produzieren, selbst wenn die realen Bedürfnisse bereits befriedigt seien. 

 

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