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Letztes Update am 06.02.2015, 14:59
Die Frankenaufwertung kam für Kreditnehmer wie auch für Finanzexperten überraschend.

Mitte Jänner hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf, gleichzeitig wurde der Zins für Guthaben auf Girokonten auf 0,75 gesenkt. Der Schweizer Franken steigt, Kreditnehmer sind mehr als verunsichert.

 

Es war ein Tag, der sich in die Gedächtnisse vieler Kreditnehmer einbrennen wird: Wie aus heiterem Himmel kippt die SNB den Euro-Mindestkurs am 15. Jänner. Vor mehr als drei Jahren führte die als sehr vertrauenswürdig geltende Bank den Kurs von 1,20 Franken ein. „Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt“, begründete die Schweizerische Nationalbank ihren Schritt, von dem rund 220.000 Österreicher betroffen sind.  

 

Finanzen im freien Fall

Zwar bleibt der Franken laut SNB nach wie vor hoch bewertet, die Überbewertung habe sich seit der Einführung des Mindestkurses aber insgesamt reduziert. Stützungskäufe, um den Euro-Mindestkurs zu verteidigen, will die SNB daher nicht mehr tätigen. Ein drastischer Schritt, dessen Auswirkungen international für Aufregung und Beunruhigung sorgten: Nach der Ankündigung der SNB, den Mindestkurs zu kippen, brach der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung um 28 Prozent ein, der Euro sackte unter die Parität auf Kurse um 0,9586 Franken ab – ein Rekordtief. Auch beim US-Dollar kam es zum größten Rutsch seit 1971: Er fiel zum Franken auf einen Wert von 0,8864.

Ungewisser Ausgang

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt“, erklärt Chris Beauchamp, Marktanalyst beim internationalen Finanzunternehmen IG. Die seit Jahresbeginn herrschende unruhige Stimmung führe laut Beauchamp zu Volatilität, also der Schwankung von Preisen und Devisenkursen. Dementsprechend heftig waren auch die Reaktionen, die durch diese Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten ausgelöst wurden.

Mit der Abkoppelung des Franken vom Euro-Kurs bleibt vor allem eines übrig: Verunsicherung und Fassungslosigkeit. Mit diesem Schritt wurde nämlich nicht nur einer Währung, sondern unzähligen Kreditnehmern in ganz Europa der Boden unter den Füßen weggezogen.