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Spekulationen auf Lebensmittelpreise - Darum geht's

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:27
Unter Spekulationen auf Lebensmittelpreise versteht man die Tatsache, dass z. B. Zucker, Mais, Reis, Weizen und Soja sowohl an Rohstoffbörsen als auch...

Unter Spekulationen auf Lebensmittelpreise versteht man die Tatsache, dass z. B. Zucker, Mais, Reis, Weizen und Soja sowohl an Rohstoffbörsen als auch außerhalb der Börsen (Over the Counter) wie Aktien gehandelt werden. Ähnlich wie Aktienpreise unterliegen die Preise dieser Lebensmittel damit Schwankungen, die nicht mehr von der eigentlichen Angebots-Nachfrage-Situation, sondern weitgehend vom Händlerverhalten abhängig sind. Kommt es hierbei zu erheblichen Preissteigerungen, kann dies für die Menschen in vielen Teilen der Welt existenzbedrohend werden. Sie müssen zum Teil 70 – 80 % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Preissteigerungen führen somit schnell zu Hungerkatastrophen.

Wie funktionieren die Spekulationen auf Lebensmittelpreise?

  • Rohstoffbörsen, an denen auch Lebensmittel gehandelt werden, gibt es schon recht lange. Ihr ursprünglicher Zweck war es, Produzenten und Händler zusammen zu bringen. Hierbei muss man unterscheiden zwischen dem Spot-Markt und Termingeschäften. Auf dem Spot-Markt wird direkt Ware gegen Geld eingetauscht.
  • Bei Termingeschäften wird die Lieferung der Ware zu einem festgesetzten Preis zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart. Für den Lieferanten macht das Sinn, wenn er entweder jetzt das Geld braucht, die Ware aber erst später liefern kann, oder wenn er mit sinkenden Preisen rechnet. Dann kann er die Ware jetzt noch zu dem höheren Preis verkaufen. Für den Händler lohnt sich das Geschäft, wenn er mit steigenden Preisen rechnet. Dann kauft er jetzt zu dem niedrigeren Preis, erhält später die nun „wertvollere“ Ware und kann sie teurer verkaufen. Diese Art von Termingeschäft nennt man Future. Umgekehrt kann man auch auf fallende Preise spekulieren. Dann macht man ein Termingeschäft über die Lieferung einer Menge Getreide, das man aber gar nicht hat, einen sogenannten Leerverkauf. Man hofft hierbei darauf, vor dem Liefertermin das Getreide billiger einkaufen zu können. 
  • Problematisch werden diese Geschäfte erst, wenn es nicht mehr wirklich um den Austausch von Ware gegen Geld geht, sondern nur noch um die Spekulationsgewinne. Heute wird bei Getreidebörsen nur noch für ca. 2% der Future-Verträge tatsächlich Getreide geliefert. Die meisten dieser Verträge werden von Geldanlegern wie Hedgefonds oder Pensionskassen, gekauft, deren Interesse ausschließlich der Spekulationsgewinn ist. Durch die weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte sind neue Finanzprodukte, wie Index-Fonds, hinzugekommen. Die Spekulation mit Lebensmitteln wird zusätzlich dadurch angeheizt, dass zurzeit viele Anleger Anlagemöglichkeiten suchen und Sachwerte bevorzugen. 

Welche Auswirkungen haben die Spekulationen auf Lebensmittelpreise?

  • In den letzten Jahren waren die Preise für Lebensmittel, speziell für Getreide, starken Schwankungen unterworfen und sind stark gestiegen. Die Preissteigerungen sind sicher nicht nur auf Spekulationen zurückzuführen. Auch Faktoren wie der Anbau anderer, mehr Profit versprechender Pflanzen oder die Herstellung von Biotreibstoffen aus Getreide haben einen Einfluss auf die Preisentwicklung. Die starken Schwankungen und die Höhe des Preisanstiegs sind aber nur durch Spekulationen zu erklären. Der Nahrungsmittel-Preisindex der Welternährungsorganisation FAO ist seit 2002 um 100 % gestiegen.

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