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Letztes Update am 06.02.2015, 15:25
Neben Österreich sind vor allem Polen und Frankreich von der SNB-Aktion betroffen.

Laut Austria Presse Agentur haben Österreichs Banken im Frühjahr 2014 35,6 Milliarden Euro in Schweizer Franken an Nicht-Banken (also an Privatpersonen und Unternehmen) vergeben. Damit liegt man hierzulande mit Schweizer Fremdwährungskrediten EU-weit an der absoluten Spitze.

 

Aber nicht in Österreich, sondern auch andernorts hat man mit dem von der Schweizerischen Nationalbank gekippten Euro-Mindestkurs zu kämpfen: Nach Österreich wurde vor allem Polen stark von der Frankenfreigabe getroffen. 700.000 Haushalte verfügen dort über einen entsprechenden Immobilienkredit, insgesamt haben 40 Prozent der Häuslbauer Kredite in Franken abgeschlossen. Das Darlehensvolumen im Land beläuft sich daher auf satte 34 Milliarden. Damit liegt Polen nach Österreich auf Platz zwei der meistvergebenen Fremdwährungskredite an Nicht-Banken, Frankreich ist mit 21,2 Milliarden Euro Dritter am Podest.

Kredite Milliardenhöhe

Weniger Vertrauen setzten die deutschen Banken in Frankenkredite: Trotz zehnmal so großer Bevölkerung als es in Österreich der Fall ist, wurden hier laut Europäischer Zentralbank (EZB) mit 14,9 Milliarden Euro verhältnismäßig wenige Fremdwährungskredite ausgegeben. In Ungarn liegt die Zahl nach Angaben der EZB bei 12,6 Milliarden, in Griechenland bei 8,6 Milliarden und in Luxemburg bei etwa 5,7 Milliarden Euro. Um je drei Milliarden Euro pendeln sich die Niederlande und Italien ein. Einst als sichere Investition angesehen, haben sich diese Ausstände durch die Frankeaufwertung jedoch schlagartig verteuert.

Das verspielte Image

Laut Finanzmarktaufsicht FMA hat sich das Volumen der Kredite damit von 24,7 Milliarden auf 29 Milliarden Euro – also um knapp 20 Prozent - erhöht. „Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte“, meint auch der Analyst Ulrich Wortberg. Nach seiner Einschätzung wird es keinen neuen Mindestkurs mehr geben, weil die Marktteilnehmer nicht länger Vertrauen in dessen Stabilität setzen werden. Viel mehr würde man den Kurs den Marktkräften überlassen, bis er sich im Bereich der Parität einstellen werde.

Wie auch immer sich die Kurse in der nächsten Zeit entwickeln werden: Ihre Authentizität und das Vertrauen der Marktteilnehmer hat die Schweizerische Nationalbank mit der Aufwertung des Franken verspielt. Bleibt also abzuwarten, ob die SNB ihren beabsichtigten Effekt erzielt oder ob dieser Vertrauensverlust ebenso zu negativen Einbußen führen wird.