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Vorsteuer berechnen? - So geht's

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:57
Bei der sogenannten Vorsteuer handelt es sich nicht um eine eigenständige Steuer.

Bei der sogenannten Vorsteuer handelt es sich nicht um eine eigenständige Steuer, sondern um einen Bestandteil der Umsatzsteuer. Ihre Berechnung sowie ihre Geltendmachung gegenüber der Finanzbehörde unterliegt den Bestimmungen des Umsatzsteuergesetzes.

Umsatzsteuer – Mehrwertsteuer 

  1. Das Umsatzsteuergesetz verlangt , dass der Endverbraucher einer Ware oder Leistung beim Kauf dieser eine Steuer auf den dadurch entstehenden Umsatz zu zahlen hat. 
  2. Jedoch können Steuerpflichtige (Unternehmer und selbständig Tätige), die diese Waren oder Leistungen zur Weiterverarbeitung bzw. zum Weiterverkauf erwerben, die von ihnen gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer von der nach dem Weiterverkauf erzielten Umsatzsteuer absetzen. 
  3. Der Gesetzgeber bezeichnet dies als Vorsteuerabzug. Dieser Vorsteuerabzug macht die geltende Umsatzsteuer zu einer Mehrwertsteuer, da bei jedem Weiterverkauf der Ware nur der Teil des Warenwertes besteuert wird, der in der jeweiligen Phase des Weiterverkaufs oder auch Produktionsstufe erzielt wird, eben der Mehrwert.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

  1. Die Herstellung des Produkts ( z. B. eines Kleides) durchläuft 7 Phasen, angefangen vom ersten Hersteller, sagen wir einem Garnproduzenten, bis hin zum Verkauf an den den Endverbraucher. 
  2. Der Wert einer bestimmten Menge Garnes betrage 5 Euro. Dieser Wert mit einer Umsatzsteuer von 19% (0,95 Euro) belastet. 
  3. In der zweiten Phase wird das Garn veredelt. Der Wert des veredelten Garnes beträgt jetzt 7 Euro plus 1, 33 Euro Umsatzsteuer. 
  4. Der Bruttoverkaufspreis läge jetzt bei 8,33 Euro. In diesem Preis sind jetzt zwei Umsatzsteuerbeträge enthalten (0,95 Euro und 1,33 Euro) - zusammen also 2, 28 Euro. 
  5. Würde nun in dieser Weise in den folgenden Phasen weiter verfahren, entstünde ein sehr hoher Umsatzsteuerbetrag, der das Produkt in einer Weise verteuern könnte, die seinen Verkauf an den Endverbraucher erschweren oder gar unmöglich machen könnte. 
  6. Bei dieser Art der Umsatzbesteuerung wird nicht nur der in der jeweiligen Produktions- oder Weiterverkaufsphase entstandene Mehrwert, sondern auch der der vorausgegangen Phasen versteuert. Die Folge ist eine Mehrfachbesteuerung. 
  7. Diese auszuschließen, ist Aufgabe des Vorsteuerabzuges. 

Berechnung und Erfassung der Vorsteuer

  1. Produzenten und Ersteller von Leistungen ziehen die von ihnen geleisteten Umsatzsteuerbeträge von der von ihnen beim Verkauf zu entrichtenden Umsatzsteuer in Form einer Vorsteuer ab. 
  2. Damit wird die Besteuerung nur des tatsächlich entstandenen Mehrwertes gewährleistet. 
  3. Bezogen auf obiges Beispiel bedeutet dies, dass der das Garn veredelnde Unternehmer von der errechneten Umsatzsteuer in Höhe von 1,33 Euro den von ihm gezahlten Betrag (0,95 Euro) abzieht. Seine Umsatzsteuerlast beträgt dann nur noch 0,38 Euro.
  4. Die richtige Berechnung und Erfassung der Vorsteuer ist nicht nur eine dringende Forderung der Finanzbehörde, sondern darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung für einen marktfähigen Verkaufspreis.

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